Loisachhalle, Wolfratshausen
Im Feuer der Rhythmik
Die „Drum Stars“ lassen es in der Loisachhalle beben und krachen
Wolfratshausen, 11.2.2019 – Die Inszenierung ist nicht zufällig gewählt: Das Licht in der restlos ausverkauften Wolfratshauser Loisachhalle wird gedimmt, das Raunen der Zuschauer verstummt gespannt. Eine etwas ätherische Musik schwillt an, über die sich schnell dichte Rhythmen legen. Mit dunklen Kutten bekleidete Figuren durchziehen von hinten den Raum bis zur Bühne, nur von einigen Neonstreifen an den Kapuzenjacken und ihren Trommeln beleuchtet, auf denen sie den Beat nach vorne treiben. Es hat eine leicht mystische, adrenalinbildende Anmutung, bis sich auf der Bühne fünf dieser Gestalten aufreihen und den Takt beschleunigen. Lichtblitze durchzucken den Raum, bis der Rhythmus aber auch jeden im Raum erfasst und durchdrungen hat: Die „Drum Stars“ um denSchwabhausener Percussionisten Benni Pfeifer traten in der Loisachstadt auf und zeigten, dass Percussion weit mehr ist als den Takt halten zu können – es ist eine facettenreiche Kunstform, die geradezu hypnotische Wirkung haben kann. Die „Drum Stars“ zeigten in Wolfratshausen zudem, dass sie das Optische ebenso zu einem Gesamtkunstwerk verweben können wie ihre rhythmischen Muster. Und nicht zuletzt bewiesen die Percussionisten auch eine gute Portion Witz und Humor in ihrem Programm, was sich in kleinen clownesken Einlagen zeigte.
Pulsierender Mikrokosmos
Doch von vorne: Benni Pfeifer, Bernhard Pricha, Flo Pfeifer, Jakob Ehrlich, Stefan Höfele Dias und Ruben Lipka präsentierten bei ihrem Auftritt ein Wechselspiel zwischen Klängen und eingängigen Rhythmen, bei denen Stil- und Tempowechsel von Stück zu Stück und nicht zuletzt die opulente Auswahl an Instrumenten den Kern bildeten. Mit Händen und viel Ganzkörpereinsatz (mit, aber auch ohne LED-Kutten) brachte das Ensemble in der Percussion-Show seinen Puls unters Volk. Die Künstler nutzen dazu nicht alleine Drums, Snares, Cajon und Co., sondern auch alle möglichen und unmöglichen Gegenstände: Mal klöppelten sie auf einem LED-blitzendes Instrumentarium, mal warfen sie sich Mülleimer zu oder ließen es auf Wassertrommeln spritzen. Sie klopften mit und auf Ablussrohren herum, klapperten mit Tischtennisschlägern und entlockten Hang und Marimba ruhige, melodiöse Stücke, ehe sie den Puls wieder nach oben schnellen ließen mit Hochgeschwindigkeits-Percussion, die dem Publikum durch den ganzen Körper fuhr und sie mit offenem Mund juchzend zurückließen. Eine ausgeklügelte Lichtregie dazu komplettierte den Eindruck, keine Show, sondern einen pulsierenden Mikrokosmos zu erleben.
Überschäumende Begeisterung
Es darf angenommen werden, dass es den Künstlern vor allem darum geht, ein universelles, urbanes Ambiente für ihre Show zu schaffen, das überall verstanden wird. Ein bisschen Techno-Disco, ein bisschen Stomp, ein bisschen aktuelle Charthits, gepaart mit vielen optischen Reizen– da ließ sich jeder gerne mitreißen. Denn ihre Show, ihre Kunst, ihre Percussion versteht jeder, denn jeder hat ein bisschen Gefühl für Rhythmus alleine schon durch den Herzschlag, jeder kann in die Hände klatschen. Besonders schön übrigens zu sehen, wie sehr sich die Begeisterung auf die Kleinsten übertrug und zur Quelle der Inspiration wurde: In der Pause überzeugten einige von ihnen ihre Eltern, gleich ein paar Drumsticks zu kaufen, womit sie dann wild entschlossen jegliche Schienen, Kanten und Geländer der Loisachhalle nutzten, um selbst darauf herum zu trommeln. Überschäumende, überspringende Begeisterung also. Und die ließ die Musiker so schnell nicht wieder ziehen: Lautstark forderte das Publikum Zugaben, und bekam sie auch.
Fotos: Redaktion









