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Loisachhalle, Wolfratshausen

Musikschule Wolfratshausen

Internationales Chorprojekt – Jugendchöre aus Kairo, Litauen und Wolfratshausen

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 8.6.2022 – Drei Chöre aus drei unterschiedlichen Kulturen mit verschiedenen Muttersprachen treffen aufeinander und verstehen sich über die Musik. Das ist kurz gesagt, was der Wolfratshauser Musikschulleiter Manfred Heller und Chorleiter Yoshihisa Matthias Kinoshita am Montagvormittag in einem Pressegespräch ankündigten. Ein experimentelles Chorprojekt, von der EU-Förderlinie Erasmus+ gefördert, dass nun über zwei Jahre läuft. Es ist auch eine Botschaft für Frieden und Verständigung. Am Freitag, 10. Juni, Beginn 18 Uhr, wird der Wolfratshauser Kinder- und Jugendchor, der PASCH-Chor aus Kairo und der Chor „Hgz sound“ aus Klaipeda in Litauen ein besonderes Konzerterlebnis unter dem Titel „You(th) Can Sing“ in der Loisachhalle präsentieren.

Zunächst werden 48 Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren dieser drei Chöre in einem Workshop vom 6. bis 9. Juni in der Jugendherberge in Kreuth am Tegernsee lernen, wie man durch Achtsamkeit und Wahrnehmung und durch den Klang der eigenen Stimme zu einer gemeinsamen musikalischen Sprache finden kann. Diese Idee entstand vor gut fünf Jahren, als Chorleiter Kinoshita den Chor in Kairo besuchte. Über das Goethe-Institut lud man den litauischen Chor des Hermann-Sudermann-Gymnasiums aus Klaipeda dazu ein. Es ist eine Region, die deutschsprachig geprägt ist.

Hinschauen, reagieren, interagieren

Um nun zu verstehen, was passieren wird, forderte Kinoshita die Anwesenden am Montag auf: „Achten Sie bitte darauf, wie Sie reagieren, wenn ich Ihnen einen Satz auf Japanisch sage.“ Es ist die Tonalität und Lautstärke in seiner Stimme, sein Gesichtsausdruck und die Mimik, die eine Emotion transportieren und eine Aussage treffen. So ähnlich sollen auch die internationalen Jugendlichen im Workshop spontan und spielerisch kommunizieren und mit Tönen und Lauten interagieren, erklärt der Chorleiter. „Was dabei entsteht, wissen wir nicht.“ Aus dem noch quasi ungeschliffenen Gesangs-Material wird die deutsche Komponistin Helga Pogatschar aus München Chor-Arrangements entwickeln. Dieses bisher einmalige internationale Chor-Projekt läuft noch bis 2023. „Heuer erfolgt der erste Schritt“, so Heller. Die Chöre lernen sich kennen, sollen kreative Ideen entwickeln und kognitive Fähigkeiten erlernen, das heißt, zuhören, hinschauen, reagieren, interagieren.

Beim Chorkonzertabend am 10. Juli wird das Publikum zuerst eigene Repertoires der jeweiligen Chöre hören mit traditionellen musikalischen Einflüssen aus der Heimat, einen gemeinsam gesungenen Part musikalischer Stück sowie den erarbeiteten experimentellen Teil. Es sei quasi noch ein „unfertiges Konzert“, so Heller, das aber „spannend für alle wird“. Voraussichtlich Pfingsten 2023 gibt es die Fortsetzung. In der Zwischenzeit will man online in Kontakt bleiben und an der Komposition gemeinsam mit Helga Pogatschar weiterfeilen. Es sei eine Suche nach der musikalischen Identität der eigenen Sprache und ob es Gemeinsamkeiten mit anderen Sprachen gibt, so Kinoshitas Hoffnung. „Vielleicht fangen wir an, uns mehr mit dem musikalischen Ohr zuzuhören.“

Homepage Musikschule Wolfratshausen: www.musikschule.wolfratshausen.de

Fotos: Andrea Weber


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