"Kultur pur" in Wolfratshausen
"Kultur pur" in Wolfratshausen
Jazz zum Träumen
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 8.2.2025 – Das erste Mal in Wolfratshausen, und seit Wochen war das Konzert ausverkauft. Die Münchner Jazzmusiker Alma Naidu und Philipp Schiepek überzeugten am Freitagabend im Saal der Wolfratshauser Musikschule mit ihrer ganz besonderen Auswahl an „Lieblingsstandards“.
Es war ein Konzert feinster Klangvariationen mit der ausdrucksstarken Jazz-Stimme von Alma Naidu und dem hochkomplexen variantenreichen Gitarrenspiel von Philipp Schiepek. Beides junge aufstrebende Jazzmusiker aus der Münchner Szene. Alma Naidu hat Jazzgesang an der Münchner Hochschule für Musik und Theater sowie an der Royal Academy of Music in London studiert und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Philipp Schiepek, so schreibt er auf seiner Website, „möchte eine neue, individuelle Klangsprache entwickeln“. Das durften die Konzertbesucher in der Musikschule dann auch erleben. Alma Naidus Stimme trägt alle Klangsprachen in sich und vor allem trägt diese Stimme das Gefühl der Musik unvermittelt ins Herz der Zuschauer. Alle Nuancen von tief bis in die höchsten Höhen kann die junge Musikerin mit ihrer Stimme sowohl minimalistisch rein, sanft und leise aber auch mit Nachdruck fordernd, darstellen. Man könnte auch sagen, dass ihre Stimme wie ein Musikinstrument spielt, besonders wenn sie in die Silbensprache des Improvisationsgesangs übergeht. Normalerweise spielt Alma Naidu Klavier dazu. Leider an diesem Abend nicht. „Ich habe mit der Brotmaschine gekämpft“, sagt sie schmunzelnd und zeigt den dick bandagierten Zeigefinger in die Höhe.
"Jeden Abend passiert was anderes."
Seit acht Jahren treten Alma Naidu und Philipp Schiepek gemeinsam auf, allerdings in loser Folge. Zuletzt vor einem Jahr, erzählen sie dem Publikum. „Unser Repertoire ist im Grunde das Gleiche, aber jeden Abend passiert etwas anderes“, so Schiepek. Schiepeks Gitarrenspiel auf der Jazzgitarre ist so virtuos und komplex im Klang sowie in der Technik, dass man sich gut vorstellen kann, dass er ein und den selben Jazzstandard in unzähligen Klangvariationen interpretieren kann. Und genau das ist auch die Intension des studierten Jazzmusikers, der in Dinkelsbühl lebt und komponiert. Seine Musik ist im Rundfunk zu hören. Sein Schwerpunkt sind Interpretationen für die Sologitarre. Er spielt neben seinen Auftritten auf Jazzfestivals und Jazztagen in ganz Deutschland.
Es war ein Konzert zum Träumen. Darunter eine brasilianische Jazznummer, die Alma Naidu auf Portugiesisch sang. Ein eigenes Stück namens „Mystical“, das einer geheimnisvollen Klangstruktur folgte, und Lieblingsjazzstandards wie „The Sunny Side oft the Street“ und das berühmte „Caravan“ von Duke Ellington, das an den Klang der Wüste denken lässt. Eine Musik, die das Publikum in den Bann zog. Eine Musik aus purem Gesang und feinem Gitarrenklang – minimal und wunderschön.
Fotos: Andrea Weber







