Loisachhalle Wolfratshausen
Konzertverein Isartal probt wieder
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 27.7.2020 – Vier Monate Kontaktsperre für den Konzertverein Isartal (KVI). Keine Proben, kein Treffen, kein miteinander Musizieren. Das wäre noch auf unabsehbare Zeit so geblieben, hätte nicht die Stadt Wolfratshausen, explizit Marlene Schretzenmaier vom Kulturamt, dafür gesorgt, dass der KVI die Loisachhalle für eine Probe kostenlos nutzen darf. „Das ist für uns so wichtig“, bestätigt Ilse Wagner (Orchestervorsitzende). „Gemeinsam musizieren ist doch der Grund, warum es uns überhaupt gibt“, sagt die Musikerin, die Viola im Orchester spielt. Zwar seien nicht alle gekommen. „Manche sind noch sehr vorsichtig.“ Am Samstagnachmittag packten dann immerhin rund 50 Orchestermitglieder ihre Instrumente aus den Futteralen und Koffern und stellten die Notenständer im vorgeschriebenen Abstand auf.
"Präsenz zeigen: Uns gibt es noch"
Orchesterleiter Henry Bonamy dirigierte. „Jetzt bitte die Celli alleine. Bam, Bam, Bam.“ Dazu setzten die Hörner ein und die Flöten unterstrichen mit ihrem sanften Ton die gerade gespielte Passage aus der zweiten Symphonie von Jean Sibelius. Und schließlich füllte sich der gesamte Publikumsraum der Loisachhalle durch den Einsatz der Streicher mit einem vollen Klangvolumen. Ein Gänsehautmoment, ist es doch gefühlt eine kleine Ewigkeit her, eine so raumfüllende orchestrale Musik live gehört zu haben. Von der Empore oben wirkte der auseinandergezogene Orchesterkreis schon etwas befremdlich. Jedes Mitglied saß für sich alleine auf einem Stuhl, mit der Distanz zum nächsten, die es unmöglich machte ein zustimmendes Wörtchen ins Ohr zu flüstern. „Aber immerhin sind wir wieder einmal zusammen“, sagt Dr. Hans Horsmann (Vorsitzender des KVI, Violinist) in der Probenpause draußen im Freien, wo er im Gespräch mit unserer Zeitung kurz die Mund-Nasen-Maske abzog. „Es ist für uns alle so wichtig, uns zu sehen“. Dieser Probentag sei ein positives Signal, nach all den Absagen, die der Konzertverein bereits hinnehmen musste. „Wir möchten Präsenz zeigen. Uns gibt es noch“, so Horsmann.
Noch ist der KVI nicht in finanziellen Nöten. Die Zuschüsse der Stadt Wolfratshausen sowie des Bezirks Oberbayern fließen weiter und die so wichtigen Abonnenten sind treu geblieben, bestätigt Horsmann. „Viele haben unser Angebot, den anteiligen Abo-Preis der ausgefallenen Konzerte zurückzuzahlen, nicht angenommen und überlassen ihn uns als Spende.“ Für den Herbst sind zwei große Konzerte bereits angekündigt. „Wir müssen sehen, was bis dahin ist.“ Wie es mit dem Proben weitergeht ist aus heutiger Sicht ebenfalls unklar. „Denn“, so der Vorsitzende, „wir können die Abstandsregeln in der Aula des Ickinger Gymnasiums, wo wir normalerweise proben, nicht einhalten.“ Nächstes Jahr wird der Konzertverein 30 Jahre alt. Corona hin oder her, das soll angemessen gefeiert werden. Ein Programm mit sechs Konzerten ist fest deshalb geplant.
Geplante Konzerte 2020 im Abonnement "klassik pur! im isartal" am Samstag, dem 10. Oktober 2020. Zu Gast ist das Acelga-Quintett. Am 5. Dezember, Philharmonische Orchester Isartal und Henri Bonamy am Klavier, Wolfgang Amadeus Mozart, Jean Sibelius
Geplante Konzerte Jubiläumsprogramm 2021: 27. Februar Esmé-Quartett; 20. März Philharmonischen Orchesters Isartal mit dem Violoncellisten Jakob Spahn; 8. Mai „Bonamy und Freunde“; 10. Juli Konzert mit dem Philharmonischen Chor und Orchesters Isartal; 23. Oktober Budapester Ensembles „In Medias Brass“; 4. Dezember KVI-Jubiläumskonzert.
Mehr Informationen über den Konzertverein Isartal finden Sie hier.
Fotos: Andrea Weber





