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Flussfestival Wolfratshausen 2019

Land und lustig

Wolfratshausen, 15.7.2019 (red)- Maxi Schafroth bringt sein Programm „Faszination Bayern“ auf die Bühne des Wolfratshauser Flussfestivals und schnürt ein Unterhaltungspäckchen erster Güte. Konnte das gutgehen, diese Kombination aus Erwartungshaltung und Wetterkapriolen?

Kaum ein Kabarettist hat in den vergangenen Jahren einen derart steilen Aufstieg hingelegt wie Maxi Schafroth. Nach dem Nockherberg nun also der ultimative Gipfel, das Wolfratshauser Flussfestival. Doch während er dort sein neues Programm „Faszination Bayern“, ein Upgrade seines lange gespielten Debüts „Faszination Allgäu“ gab, zeigt sich der Himmel alles andere als weiß-blau. Es regnete. Es schüttete. Es war kalt, mitten im Juli. Doch Schafroth gelang, all das in den Hintergrund rücken zu lassen. Denn sein Auftritt begeisterte das vollbesetzte Auditorium an der Loisach derart, dass es sich quasi wie von selbst warm lachte. Und der Abend nur als Lichtblick in Erinnerung bleiben wird.

Wie schon in Schafroths erstem Programm war es der „clash of cultures“, auf dem seine kabarettistischen Beobachtungen fußten. Der Kontrast zwischen einer einfachen, aber glücklichen Jugend auf dem Land und dem Münchner Großstadtleben, oder auch zwischen Allgäu, Wolfratshausen, Icking und Starnberg: „Sie haben nur eine Katze, und die hat einen Namen - wir haben einen Bestand an Katzen, abhängig vom Verkehr auf der Umgehungsstraße“. Zwischendurch sang Schafroth, begleitet von seinem Hofnachbarn, Freund und „Rinderrhythmusgitarristen“ Markus Schalk, wunderbare Blues-Songs im Allgäu-Denglish. Diesmal hatte er außerdem noch den „Chor der JU Miesbach“ zum „Gstanzel“-Singen dabei, zwei Männer in Lodenjankern und mit getragenem Ernst namens Ludwig und Ludwig.

Im Vorgarten Stoibers

Mit erstaunlicher Verve und Bühnenpräsenz verpackte Schafroth folglich kokett und frech die Widersprüche und Seltsamkeiten der vermeintlichen ländlichen Idylle und fuhr ein schnelles und unterhaltsames Typenkabarett auf, um die Brüche in Bayern, zumal in Wolfratshausen, dem verlängerten Vorgarten Edmund Stoibers, auf die Spitze zu treiben. Die Oberlandla halt, denen der schmächtig gewachsene Allgäuer eben nicht das Wasser reichen kann: Das war der Gegensatz, aus dem Schafroth schöpfte, und den er immer wieder auch ausweitete hin zu all jenen Zugezogenen, die das Bild noch weiter zerren. Da erzählte er zum Beispiel in kindlich-unschuldiger Faszination von der angeblich wieder aufgenommenen Tradition des „Starnberger Grattler-Scheuchens“: Der Starnberger mit dem niedrigsten Bruttoeinkommen werde nackt durch den Ort getrieben. So ganz anders aber der Allgäuer: Da gäbe es beispielsweise den Wirt, der ortsfremden Gästen gerne die lokale Spezialität anbiete, das „Allgäurr Reschtepfännle“, was nichts anderes sei als die ultimative Verwertung von bereits bepelztem Gemüse, wiederbepelztem Fleisch und einer Einbrenne, die andernorts locker als Teerauflage durchgehen würde.

„Freundchen, das haben alles wir bezahlt!“

Dabei sei der Allgäurr an sich, der sich eben bauernschlau durchwurschteln müsse und schon mal nachts dem Junior den Romadur-Käse zurecht schnitzt und in den Adventskalender legt, ja grundsätzlich eher so auf „Standby-Betrieb“, zumindest was die Worte angehe. Ein Heiratsantrag geht zum Beispiel so: „Do isch mei Hof, do isch mei Wald- no überlegsch Dir’s halt.“ Der Allgäuer sei sparsam, auch mit Worten oder Regungen. Ganz anders der Oberbayer, der im riesigen Geländewagen (wegen der großen Pfeffermühlen, die er immer bei sich führe) und bunten Steppjacken breitbeinig durchs winterliche Allgäu stapfe und aus jeder Pore totale Selbstgewissheit verströme. Da bleibe dem Allgäuer nur, mit der eigenen Schrottlaube mit den Münchner Geländewagen auf der Autobahn gleichzuziehen, um sich auf diese Weise das Spritzwasser zu teilen. Der Oberbayer als solcher paradiert sogar Schafroth zufolge souverän durch das ferne Berlin mit der Attitüde „Freundchen, das haben alles wir bezahlt!“ Und dann gibt es ja auch noch jene Mikrokosmen wie Icking oder eben München, mitsamt den dort lebenden dynamischen Consulting-Typen, oder die Münchner Yuppies Silke und Jörn, die zum Ingwerschaumsüppchen nachhaltig erworbenen Wein reichen und ihre Kinder Mette und Marit nennen. „Helikoptering parents“ eben - die dann aber auf dem Bauernhof das „Loslassen“ einüben müssen.

Schafroth war bei all seinen Typenbeschreibungen aber nie hämisch, sondern nahm die Leute mit, machte sie zu Komplizen und hatte dabei den Abend in jeder Minute im Griff. Die Musik war übrigens eine der ganz großen Stärken des Programms. Selbst ein Nonsenslied über den gesellschaftlichen Druck des Mähens auch bei feuchter Witterung („Mähen oder nicht mähen?“) wurde zum Ereignis.
Schafroth zerlegte dramaturgisch geschickt Ländliches wie Kleinbürgerliches, Bauernschläue, Banker-Chuzpe und alternative Betulichkeiten in ihre komische Banalität, ohne sie lächerlich zu machen. Das Publikum amüsierte sich prächtig, vergaß das Wetter völlig und spendete begeisterten Applaus.

Fotos: Redaktion


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