Loisachhalle Wolfratshausen - KulturPur 2022
Märchenhafte Inszenierung von Anatevka
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 2.2.2022 – Großer Andrang, lange Warteschlange vor dem Eingang. Ein kultureller Abend, wie schon lange nicht mehr. Nach dem die Corona-Regeln im Kulturbereich etwas gelockert wurden, durfte die maximale Auslastung für das Musical "Anatevka" in der Loisachhalle auf 50 Prozent erhöht werden. Das für 2020 geplante Bühnenerlebnis von drei Stunden Überlänge konnte nun endlich stattfinden. Das Freie Landestheater Bayern mit gut zwanzig Chor-Darstellern und in musikalischer Begleitung des Freien Landesorchesters Bayern überzeugten mit einer märchenhaften musikalischen Inszenierung. Der Applaus mit teilweise Standing Ovation war schließlich am Ende des Abends anhaltend lang und laut.
"Wenn ich einmal reich wär"
„Anatevka“, das im Amerikanischen als „Fiddler on the Roof“ bezeichnete Musical basiert auf den Geschichten von Sholem Aleichem. Die Uraufführung 1964 am New Yorker Broadway wurde mit neun Tony Awards ausgezeichnet. Es sind eingängige Melodien in einer Mischung aus Kletzmer-Musik, russischer Volksmusik und Einflüssen moderner Unterhaltungsmusik. Die Gesangsleistung der Hauptdarsteller insbesondere von Matthias Degen und Elisabeth Neuhäusler sowie dem Chor war hervorragend. Weltberühmt wurde das Lied „Wenn ich einmal reich wär“.
Doch es kommt anders
Davon träumt Tevje, der Milchmann. Die jüdische Gemeinschaft des „Schtetls“ Anatevka lebt in armen Verhältnissen in der Zeit des russischen Zarenreichs. Es gibt kein Wohlwollen seitens der russischen Bevölkerung gegenüber den jüdischen Mitbürgern, umso wichtiger ist ihnen ihre Tradition und Zusammenhalt. Tevje hat fünf Töchter, die er möglichst gutsituiert von der Heiratsvermittlerin Jente unter die Haube bringen lassen möchte. Doch es kommt anders. Seine älteste Tochter Zeitel liebt den armen Schneider, Hodel verlobt sich heimlich mit dem Studenten Perchik, der mit der Tradition bricht und das politische Unheil wittert. Zum Entsetzen des Vaters Tevje geht Tochter Chava mit einem Russen fort. Doch Tevje und seine Frau Golde sind gutmütige Menschen, die ihre Familie schützen und zusammenhalten. Schließlich müssen sie aufgrund eines Erlasses aus St. Petersburg ihre Heimat Anatevka verlassen und machen sich auf den Weg nach Amerika.
So viel zum Inhalt. Zur Atmosphäre: Eine musikalische Glanzleistung von Orchester und Chor, und eine Handlung, die die politische Situation der jüdischen Menschen bereits in der Zeit von 1905 verdeutlicht. Was Vertreibung aus der Heimat bedeutet, wird in diesem Musical spürbar. Bei dem Lied emotional berührenden Lied „Anatevka“ gehen sie mit Mantel, Hut und Koffer fort. Das war ein Unterhaltungsabend, der unter die Haut ging.
Die Hauptdarsteller:
Matthias Degen (Tevje), Elisabeth Neuhäusler (Golde, seine Frau), Yvonne Steiner (Tochter Zeitel), Melanie Renz (Tochter Hodel), Carolin Ritter (Tochter Chava), Manuel Ried (Mottel, der Schneider), Paul Wiborny (Perchik, der Student), Monika Reiser (Jente, die Heiratsvermittlerin) und Christoph Hanak (der Fidler)
Fotos: Andrea Weber










