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Erinnerungsort Badehaus, Wolfratshausen-Waldram

Medizinische und journalistische Zeitzeugnisse

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen-Waldram, 17.12.2019 – Tausende von jüdischen „Displaced Persons“ (DPs) fanden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Lager Föhrenwald eine vorübergehende Bleibe. Um ihre medizinische Versorgung kümmerte sich Boris Pliskin. Sein Sohn Dr. Joseph Pliskin überreichte der Vorsitzenden des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald Dr. Sybille Krafft Exponate aus dem Nachlass seines Vaters.

Flucht aus dem Zwangsarbeiterlager

Boris Pliskin arbeitete von 1946 als medizinische Direktor im Lager Föhrenwald. Eine Zeit, mit der sein heute 73-jähriger Sohn Joseph viele Kindheitserinnerungen verbindet. Nun besuchte der Professor mit seiner Frau Nava zum mittlerweile dritten Mal den Erinnerungsort am Kolpingplatz.
„Mein Vater überlebte das Konzentrationslager nur, weil die Deutschen seine Fachkenntnisse noch brauchten“, glaubt Pliskin. Nach der Befreiung aus dem Zwangsarbeiterlager Janowska bei Lemberg (Lwiw) in der heutigen Ukraine, lebte er mit seiner Familie zunächst in München. „Dort wurde ich auch geboren“, berichtete der Professor. Sein Vater Boris pendelte aus der zerbombten Landeshauptstadt vier Jahre lang ins Lager Föhrenwald, um dort kranke Flüchtlinge – sogenannte Displaced Persons („DPs“) – zu versorgen. In einem Holzkästchen bewahrte sein Sohn die dafür erforderlichen Gerätschaften auf: zum Beispiel ein Stethoskop, ein Thermometer und einen „Tropfer für den rektalen Tröpfcheneinlauf“.

Gut erhaltene Lagerzeitung

Noch aufschlussreicher für die geschichtliche Aufarbeitung des Alltags im Lager Föhrenwald dürften die von Pliskin mitgebrachte Original-Ausgabe der Lagerzeitung „Bamidbar“ – auf Deutsch „In der Wüste“ – sein. Der in jiddischer Sprache verfasste Inhalt ist auch für Nichtjuden leicht verständlich. So verweist eine Titelzeile auf die „arbet“ der „lager-farwaltung“. „Wir sind sehr dankbar für diese Exponate“, erklärte Krafft. Wie sich das sieben Jahrzehnte alte Papier am besten konservieren und ausstellen lässt, will der Badehaus-Verein von erfahrenen Archivaren in Erfahrung bringen lassen. Dass Joseph Pliskin, der mittlerweile seit vielen Jahren an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Be‘er Sheva (Israel) Gesundheitswesen unterrichtet, eine glückliche Kindheit erlebte, zeigen Schwarz-Weiß-Fotos. „Das Lachen ist dir bis heute geblieben“, sagte seine Frau Nava. . Sie erinnert sich aber vor allem gerne an den Eröffnungsfestakt des Museums im Oktober 2018 zurück. „Das war so ein ergreifender Moment, dass mir vor Rührung die Tränen aus den Augen schossen“, berichtete die Professorin. Zusammen mit anderen Besuchern des Erinnerungsortes habe sie ein Mantra besonders verinnerlicht: „Niemals vergessen!“.

Fotos: Peter Herrmann


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