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Artist, Tänzer und Choreograph Dominik Halamek im Gespräch

Mit Fairness und Respekt

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 6.4.2022 – Künstler haben es nicht leicht in diesen Zeiten, und es scheint nicht besser zu werden. Aber schwierige Phasen im Leben können auch Chancen sein. Dominik Halamek hat die Zeit des Stillstands und des Auftrittsverbots in der Kulturszene genutzt, um sich darüber klar zu werden, was er im Leben will. Wir haben den Wolfratshausener Choreographen, Künstler und Tänzer kürzlich im Landhauscafé in Wolfratshausen getroffen, um mit ihm über das Jetzt und Hier zu sprechen.

Herr Halamek, künstlerisch kreative Arbeit braucht Ausdauer, Kraft und hohe Motivation. Wie motivieren Sie sich weiterzumachen?

Es gab Momente, in denen ich darüber nachgedacht habe, ob es gesünder wäre, sich längerfristig einen anderen Job zu suchen. Aber ich sage es kurz und knapp: Ich kann nicht anders.

Konnten Sie die Zeit des Auftrittsverbots sinnvoll nutzen?

Den ersten Lockdown nutzte ich, um alles was liegen geblieben war aufzuarbeiten. Beim zweiten Lockdown, der acht Monate dauerte, und alles was ich liebe, verboten war, wurde es schwieriger. Ich durfte mein Tanzstudio nicht betreiben und kein Theater spielen. Ich kann hart arbeiten, wenn ich dafür unmittelbar Resultate sehe. Als das fehlte, war es hart.

Haben Sie resigniert?

Nein, im Gegenteil, ich spürte, dass ich für mein Leben kämpfen werde. Mir wurde klar, was ich möchte und was mich ausmacht.

Was möchten Sie denn?

Kreativ sein und das mit anderen teilen. Ich war nie profitorientiert, aber mir ist bewusster denn je, dass es nicht darum geht Geld zu besitzen, sondern um das was man damit tun kann. Ich wünsche mir, dass ich von dem was ich liebe und mag, leben kann.

Sie waren kürzlich in Las Vegas. Hätten Sie dort einen Job bekommen, hätten Sie reich werden können. Warum sind Sie wieder da?

Reich wird in Las Vegas kaum ein Kreativer. Dort bist Du austauschbar. Man wird geschminkt und kein Mensch im Publikum weiß, wer hinter der Maske steckt. Ich habe einige Treffen mit einflussreichen Menschen gehabt. Las Vegas ist sicher ein Superlativ der Showbranche, aber will man das? Mir war klar, dass ich Vieles in meinem Leben richtig gemacht habe, mich vor allem unendlich auf daheim und Auftritte in der Loisachhalle freue. 

Bald ist es soweit. Wir sehen Sie im „Circus of Fantasy“. Ein großes Varieté aus Tanz, Musik und Akrobatik. Das haben Sie ganz allein auf die Beine gestellt.

Das ist mein Baby, das bin ich. Von mir stammt die Idee, der Name und vor allem die Philosophie. Ich glaube an ein Miteinander ohne klassische Hierarchie. Ich bin nicht der Chef, höchstens der Verantwortliche. Bei uns im Team verdienen alle gleich, ob Solist oder Ensemble-Mitglied. Fairness und Respekt gegenüber allen Menschen ist mir das Wichtigste – natürlich auch gegenüber Künstlern aus der Ukraine, Schweden, Russland, Österreich, und von sonst wo her auf der Welt.

Sie schauen nicht weg, sondern tun was Sie können. Sie helfen immer noch in der Coronateststation in Geretsried. Jetzt helfen Sie Menschen aus dem Kriegsgebiet.

Soweit möglich. Wir haben dem Papa einer meiner besten Freundinnen geholfen aus dem Kriegsgebiet rauszukommen. Ruf mich an, habe ich ihr gesagt, wenn ich ihn irgendwo abholen kann, er Geld für Flug, Zahnbürste oder Medikamente braucht. Ich nutze meinen social media account, um auf die Fluchthilfe aufmerksam zu machen und um Spenden zu bitten. Die Fliehenden haben ja meist nur noch einen Koffer voll.

Ihr Blick in die Zukunft: Zuversicht oder Resignation?

Zuversicht, weil es einen Grund hat, dass die Dinge so sind, wie sie sind. Und ich weiß, dass das was ich im Herzen habe, mir bleibt.

Dominik Halamek’s großes Varieté „Circus of Fantasy“ findet am 8.4., Beginn 15 Uhr und 20 Uhr statt, sowie am 9.4. um 20 Uhr, Loisachhalle Wolfratshausen. Karten unter www.circusoffantasy.de

Foto: Andrea Weber


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