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Loisachhalle Wolfratshausen

Loisachhalle Wolfratshausen

Poetry Slam auf hohem Niveau

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen, 26.5.2026 – Mit prominenter Besetzung punktete die Sommersession des Poetry Slams im vollbesetzten Foyer der Loisachhalle. Wehwalt Koslovsky, ehemaliger Deutscher Meister und Sieger von über 400 Dichter-Wettbewerben, nahm für die Anreise aus Norddeutschland sogar eine lange Zugfahrt auf sich. Den ersten Platz sicherte sich jedoch Sarah Fischer, die ebenso wie die anderen Wortakrobaten mit anspuchsvollen Texten überzeugte.

Publikum als Jury

Die unsicheren Wettervorhersagen bewegten Kulturmanager Andreas Kutter zu einer Verlegung vom Garten der Stadtbücherei ins benachbarte Foyer der Loisachhalle. Wie schon in den Vorjahren übernahm er auch die Moderation und erklärte nach der musikalischen Einleitung des Gitarristen Alexander Oberrader im Schnelldurchlauf die Spielregeln. So durften die Slammer nur selbstverfasste Werke in einem siebenminütigen Zeitlimit vortragen. Requisiten, Kostüme, Musikinstrumente oder Hilfsmittel waren untersagt. Dieser Herausforderung stellte sich zunächst „J-Man“, der im rasanten Tempo den Klimawandel, deutsche Waffenexporte und Rassismus anprangerte. Auf „alte, weiße Männer im Berufsverkehr“ hatte es danach Thomas Eiwen abgesehen und schaffte damit sogar den Einzug ins Finale der besten drei Slammer. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die Gunst des Publikums, das kleine Schwungscheiben aus Metall in die Abstimmungsboxen warf. Neben „J-Man“ verpassten auch der Geltinger Lokalmatador Martin Kern, Johanna Büntig, Leonidas Tzimourtou und Ida Müermann die Endrunde.

Fischer gewinnt Finale

Mehr Glück hatten die Münchnerin Sarah Fischer und der erst fünf Minuten vor seinem Auftritt eingetroffene Wehwalt Koslovsky. Die zierlich wirkende Studentin punktete mit einem nachdenklichen Text über unsichtbare Türen, die sich mit aufrichtigen Gefühlen öffnen lassen. Der aus dem friesländischen Husum angereiste Koslovsky wandelte Friedrich Schillers berühmtes Gedicht „Die Glocke“ in „Die Pocke“ um und hatte damit alle Lacher auf seiner Seite. Den darin enthaltenen Nebensatz „Wenn Mitesser den Tisch eindecken“ verkaufte der 53-Jährige gar als „intellektuellen Afterburner“. Im Finale setzte der gebürtige Düsseldorfer auf eine anspruchsvolle Variation von Richard Wagners Oper „Tannhäuser“. Thomas Eiwen hielt mit einer blutrünstigen Lok, die Menschen überfährt und plötzlich in einem Kinderbuch auftaucht, dagegen. Den Nerv der Besucher traf jedoch Sarah Fischer am besten. Nach ihrer berührenden Beschreibung von Leistungsdruck und nächtlichen Gedankenkarussellen entschied die Lautstärke des Zuhörerapplauses den Poetry Slam zu ihren Gunsten. 

Fotos: Peter Herrmann


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