Stadt Wolfratshausen
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Pointen-Jagd beim Kulturpicknick im Grünen
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 18.7.2022 – Eigentlich war der Auftritt der Kabarettistin Constanze Lindner für die Bergwaldbühne geplant. Nachdem aber die Entscheidung gefallen war, die Bühne nicht in den Veranstaltungsbetrieb zu nehmen, trat die mit dem Bayerischen Kabarettpreis gekrönte Münchnerin im Rahmen der Reihe „Kulturpicknick im Grünen“ auf dem Gelände des Bergkramerhofs auf, zwischen Golfclub und Café Herzblut. Ein Sommerabend, unvergessen, schrill, schrullig über Missen und Möpse.
Lindner überzeugte durch ihre Wandlungsfähigkeit von der schlagfertigen Person ihrer selbst zur kauzigen Oma im Strickjäckchen und der komplett abgefahrenen, zahnlosen, nickelbebrillten Cordula. Inhalt: Die Liebe und die Suche nach dem richtigen Mann. „Ich bin sehr körperlich“, sagte Lindner und erschien mit Krönchen am Kopf und Miss-Wolfratshausen-Scherpe. „Miss Verständnis“ heißt ihr Soloprogramm und machte unmissverständlich den Zuschauern in den voll besetzten Reihen klar: Das wird ein lustiger Kabarettspaß am heißen Sommerabend in launiger Open-Air-Atmosphäre zwischen Golfplatzgrün und Abendstimmung. Aber dann gab es kein Entrinnen mehr. Constanze Lindner schaffte nicht nur eine Pointen-Jagd nach der anderen, sondern zog auch das Publikum mit ein. Den Franz („Du hast mein Herz erobert.“), den Hausmeister in der ersten Reihe, den sie anstelle des Bürgermeisters zum Ehrengast ernannte. „Der tut's auch.“
„Jessas“ und „glaubst’das“
Die Jahre vergehen, die Figur verändert sich, darum weiß auch eine selbsternannte Miss „warum man vom zunehmenden Alter spricht“. Constanze hatte sich drall für diesen Abend in die Schale einer Sport-Leggings gezwängt und philosophierte über Youtube, Influencer, Low Carp und über die kommende Bikini-Saison. „Ich sage Ihnen, egal was für Figur, auf den richtigen Urlaubsort kommt es an." Für die Münchnerin ist das „Calzone“. Schneller Szenenwechsel, flugs geht der Rollenwechsel. Und da ist sie, die "Oma" im Strickjäckchen und graumelierter Löckchenperücke. „Jessas“ und „glaubst’das“, schüttelt die Oma den Kopf über die junge Zeit. Sie leide an einer „Schwiegertochter-Intoleranz“. Gerlinde sei Veganerin, weiß sie, aber auch, dass „auf dem Salat die Schnecken schnackseln“. Nun hätten sie sich auch noch einen Mops angeschafft: "Jessas, das letzte Kind trägt Pelz!"
„Pass auf, pass auf!“
Wieder Rollenwechsel und die schrill, schräge Cordola Prödke kommt zum Vorschein. Sie ist ein junges, weibliches Pendant zu Hape Kerkelings Figur Horst Schlämmer, mit diesem unanständigen Klucksen im Hals. So eine quirlig-obercoole Göre mit schiefen Zähnen, hochkarätig kurzsichtig aber voller Energie. Sie blickt in die Zukunft, was Männer, die Liebe und das Leben betrifft. "Pass auf, pass auf, pass auf" und wieder ein übereifriger Glucks. Das war ein höchst vergnüglicher Abend zum Schenkelklopfen und Tränenlachen. Constanze Lindner will keine von ihren „Missen missen müssen“ – Miss Glück, Miss Erfolg und Miss Verständnis.
Foto: Andrea Weber









