Im Interview: Jennifer Rüth, Pianistin von „Queenz of Piano“
Popmusik mit einem klassischen Hauch
Wolfratshausen, 21.11.2019 - Das bunte Herbstlaub liegt langsam am Boden doch das bunte Kulturprogramm im Nordlandkreis ist noch lange nicht vorbei. Am 22. November kommt das legendäre Duo „Queenz of Piano“ in die Loisachhalle. Bettina Sewald sprach im Vorfeld mit Jennifer Rüth, einer der beiden Pianistinnen.
Seit wann sind Sie mit dem aktuellen Programm schon unterwegs? Wann und wie haben Sie und Ihre Bühnen-Partnerin Ming sich überhaupt kennengelernt?
Mit unserem Programm „Verspielt“ sind wir seit 2017 unterwegs. Gerade arbeiten wir intensiv an unserem neuen Programm, das zeitgleich mit unserem neuen Album im März 2020 erscheint und von Mousse T. produziert wurde. Ming kenne ich ungefähr genauso lange.
Ich habe sie 2017 über Facebook angeschrieben und sie war sofort von dem Projekt begeistert. Es ist ein großer Glücksfall, dass wir uns kennengelernt haben, denn uns verbindet eine große Leidenschaft für die Musik, Spaß die unterschiedlichen musikalischen Stile miteinander zu kombinieren und aus einem Klavierkonzert eine Show zu machen. Wir sagen immer das mit uns passt wie … auf Eimer. Diese Wärme und Sympathie überträgt sich positiv auf die Stimmung beim Publikum.
Sie kommen beide aus der Klassik, vermischen die sogenannte „E“-Musik (ernste Musik) aber lockerflockig mit viel „U“, sprich Unterhaltungsmusik. Dazu kommt eine akrobatische und auch noch eine kabarettistische Komponente.. Was hat Sie dazu inspiriert?
Wir haben beide klassisches Klavier studiert und den Werdegang einer klassischen Pianistin durchlaufen mit einer strengen Schule, vielen Übungsstunden und Wettbewerben. Wir sind aber auch aufgewachsen mit Beethoven, Bach und Bohlen. Diese beiden Seiten tragen wir in uns und vereinen sie in unserem Programm. Wir geben den Popmusikstücken einen klassischen Hauch und wiederum den klassischen Werken etwas Modernes. Ein Klavierkonzert der Gegenwart! Darüber hinaus moderieren wir in unserem Konzert und haben Spaß daran, das Publikum zum Lachen zu bringen.
Als Pianistin bei Chris de Burgh und Ronan Keating beziehungsweise Ming bei Jocelyn Smith und SEEED haben Sie sicher schon viele, viele großartige Pop-Konzerte vor richtig vielen Menschen erlebt!? Wie groß ist die Gefahr, dass Sie sich ganz von der Klassik abwenden?
Die Klassik ist Teil unseres Lebens und wird es bleiben. Wir lieben diese Musik. Aber es liegt uns am Herzen, dem oftmals angestaubtem Image auch einen neuen Anstrich zu geben, die klassische Konzertroutine etwas aufzubrechen, und neue Wege in der Klassik zu gehen.
Wir finden dass sich auch die Klassik etwas einfallen lassen muss, um mit der Zeit zu gehen. Wir freuen uns sehr, das wir zunehmend auch jüngere Konzertbesucher haben, die uns hinterher am CD-Stand ansprechen, dass sie sehr überrascht sind, dass ein Klavierkonzert soviel Spaß macht und so abwechslungsreich sein kann. Genau das ist unsere Mission!
Sie sind in Würzburg geboren. Was verbindet Sie mit Ihrer Bayrischen Heimat? Waren Sie schon einmal in Wolfratshausen?
Ich lebe schon seit vielen Jahren in München. An Wolfratshausen bin ich sehr oft auf dem Weg zum Wandern vorbeigefahren. Mein Mann sagte dann immer „Da wohnt der Stoiber“.
Witzigerweise bin ich erst gestern zum ersten Mal in Wolfratshausen gewesen, um mich dort auf halber Strecke mit Freunden zu treffen. Wolfratshausen hat Charme mit den Brücken am Fluss. Besonders diese Brücke mit den vielen Vogelhäuschen ist sehr witzig.
Welche bekannten Musikstücke stehen in der Loisachhalle auf dem Programm? Welche, glauben Sie, werden das Wolfratshauser Publikum regelrecht von den Sitzen reißen? Worauf freuen Sie sich am meisten?
Wir verbinden Johann Sebastian Bachs Toccata mit Thunderstruck von AC/DC zu einem fulminanten und sehr virtuosen Musikstück, bei dem beide Werke wie ein Uhrwerk ineinander fließen. Das hat tatsächlich den ein oder anderen Konzertbesucher schon vom Stuhl und zu Standing Ovations hin gerissen. Beethovens Ode an die Freude verschmilzt mit der ansteckenden Lebensfreude von Happy (Pharrell Williams). Das macht einfach gute Laune. Hier klatscht das Publikum immer mit. Wir zeigen wie Nirvana geklungen hätte, wenn Kurt Cobain ein Buddy von Johann Sebastian Bach gewesen wäre und was der Einfluss des Ragtimes aus Mozarts Türkischem Marsch macht. Wir integrieren aber auch ruhige Stücke und Eigenkompositionen in unser Programm, bei denen die Musik einfach nur für sich selbst spricht. Unser Programm soll begeistern aber auch beseelen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Fotos: PicturePeople





