Die „Night of the Dance" in der Wolfratshauser Loisachhalle
Rhythmisches Tanzfieber mit Ansteckungsgefahr
Wolfratshausen, 6.3.2019 - Tanz vereinigt Musik, Rhythmus, Emotion und Eleganz, Akrobatik und Ästhetik, Kraft und Leidenschaft. All das zeigte die Show „Night of the Dance“ kürzlich in der Wolfratshauser Loisachhalle. Der „Irish Dance“, der 1994 als Lückenfüller beim Eurovision Song Contest ein weltweites Fieber auslöste und mit Shows wie „Riverdance“ anschließend weltweit Erfolge feierte, scheint nun in einer neuen Generation angekommen. Weshalb die Loisachhalle fast bis auf den letzten Platz ausverkauft war, als „Night of the Dance“, so die Ankündigung, mit dem neuen Programm das Beste des „Irish Dance“ darbot, „irischen Stepptanz der Königsklasse“, mal traditionell choreographiert, „dann wieder völlig neu und einzigartig in Performance und Kostümen“.
Starre Oberkörper, fliegende Füße und klappernde Steppschuhe, das sind die ersten Gedanken, die einem zu „Irish Dance“ einfallen. In der Loisachhalle aber war der erste Eindruck ein anderer: Die Atmosphäre eher dunkel, geheimnisvoll und an die alten Azteken erinnernd, so mutete die Szene auf der Bühne zunächst an, bei der sich Ureinwohner und Konquistadoren einen Kampf um die Vorherrschaft lieferten. Der Übergang zu mitteleuropäischer, mittelalterlicher Folklore war daraufhin fast nahtlos, mit mystischen Mönchen, züngelnden Flammen und einem Spielmann, hin zu Ballett und akrobatischen Tanzeinlagen, Duellen und Battles, Breakdance-Moves, Stomp-ähnlichen Formationen und Latein-Tänzen, die das Blut in Wallung brachten.
In allen Settings zeigte sich jedoch schnell und immer wieder die „Kernkompetenz“ des Ensembles, die verschiedenen Tanzstile zu vereinen mit Tempo, Technik, absoluter Körperbeherrschung, Esprit und Charme. Natürlich konnten die Mitwirkenden auch immer wieder mit dem Stepptanz, dem „Irish Dance“ auftrumpfen. Dazu diente die Inszenierung nur als grobe Leinwand für die faszinierenden Formationen, die ewige Geschichten von Gut und Böse, Unschuld und Intrige, Hass, Sehnsucht und Liebe erzählten.
Mitreißende Jigs, Reels oder Hornpipes
Die schönsten Tanzszenen im Stile von „Riverdance“, „Lord of the Dance“, „Celtic Tiger“ und „Feet of Flames“ würden, so die Veranstalter, erstmals in einer deutschen Bühnenfassung kombiniert mit schwindelerregenden Akrobatikeinlagen der südamerikanischen Artisten von „Pura Vida“. Dass es den Tänzern und Akrobaten gelang, trotz dieser doch etwas wilden Mischung und nicht minder wild gemischter Musik vom Band wie „Perfect“ von Ed Sheeran, Stomp, Latin-Medleys von Marc Anthony und Ricky Martin, „Riverdance“, „Dirty Dancing“, Michael-Jackson-Tributes und „Pirates of the Caribbean“ eine tänzerische Leistung hinzulegen, die für Begeisterung sorgte, war der eigentliche, große Triumph der jungen Formation. Und das lag nicht am sprichwörtlichen Glück der Iren, das war alleine dem tänzerischen Können und Charme des irisch-internationalen Ensembles zu verdanken. Mitreißend waren die Jigs, die Reels oder Hornpipes, in jedem der Formationstanz-Szenen wirkten die Bewegungen in der Gruppe synchronisiert und sahen federleicht und mühelos aus.
Auf der Bühne standen Meister ihres Fachs, angeführt von den Ausnahmetalenten Liam Caputo, Tanya Tachon, Leah Marie Griffith, Shantal Dominguez, Marty Waters, Jonathan Campos und Nadia Paris sowie dem mexikanische Breakdancer José Antonio Hernandez Esquivel. Sie entzündeten mit den weiteren Ensemblemitgliedern ein rhythmisches Feuerwerk mit Ansteckungsgefahr. Die Lust, sich dem Rhythmus körperlich hinzugeben, war jedenfalls mit dem großen Beifall des Publikums nicht erschöpft. Und so war bei vielen ein etwas federnderer Gang, bei mancher gar ein ein kleiner hop, toe and travel zu bemerken, als sie den Weg nach Hause antraten.
Fotos: Oberland.de










