Das Magazin für das Bayerische Oberland

Kirchenmusiker Mark Ehlert im Gespräch

Rückbesinnung auf die besondere Musik

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 30.1.2021 – Mark Ehlert leitet seit 2015 die Kirchenmusik in der Stadtkirche St. Andreas in Wolfratshausen. Er studierte Alte Musik in Regensburg und Bremen. Bis 2011 arbeitete er als Dekanatskirchenmusiker in Meschede (Erzbistum Paderborn). Der 47-Jährige trat als Organist und Continouspieler mit der „Musicalischen Compagney Berlin“ und dem Tölzer Knabenchor im In- und Ausland auf. Ab 2011 leitete er die Mädchenkantorei am Münchner Dom. Wir wollten von ihm wissen, wie es ihm als Kirchenmusiker in Coronazeiten geht.

Herr Ehlert, als Organist spielen sie stets oben auf der Empore. Man bekommt Sie im Grunde nie zu Gesicht. Was ist eigentlich die Aufgabe eines Kirchenmusikers? 

Ich gestalte die Musik für den Gottesdienst. Entweder ich allein an der Orgel im Solo, mit dem Chor und/oder mit Instrumentalisten zusammen. Kirchenmusik ist Gottesdienst. Ob ein Gebet gesprochen oder gesungen wird, es ist eine andere Art der Verkündigung. Ich sehe meine größte Aufgabe darin, die Menschen glücklich zu machen. 

Die Menschen mit ihrer Musik glücklich zu machen ist gerade jetzt in Pandemiezeiten schwierig. Seit dem Lockdown dürfen keine Chorproben mehr stattfinden, oder doch?

Richtig. Seit November ist Schluss. Zuvor durften wir wenigstens unter strengsten Hygieneauflagen mit großem Aufwand Chorproben in der Kirche St. Andreas durchführen. 

Und wie sieht es mit dem Gottesdienst aus?

Wir haben beim ersten Lockdown angefangen die Gottesdienste aufzuzeichnen und übers Internet zu senden. Doch es gibt viele ältere Menschen, die das Angebot nicht nutzen. Zu Weihnachten führten wir drei Gottesdienste im Freien am Marienplatz durch. Es war außergewöhnlich. Wir müssen lernen, was in solchen Zeiten machbar ist. 

Sie leiten den Kirchenchor von St. Andreas. Doch Chorproben finden nicht mehr statt. Was hat das für Auswirkungen?

Im Sommer konnten wir noch mit Anmeldung, hoher Verantwortung und großem Abstand proben. Jetzt, wo gar nichts mehr geht, ist mir sehr wichtig, dass der Zusammenhalt unserer Chorgemeinschaft nicht zerbricht. 

Kann es danach gleich wieder mit Proben weitergehen?

Wann ist danach?

Viele Musiker haben keine Auftrittsmöglichkeiten mehr. Wie geht’s Ihnen?

Ich habe mehr Arbeit als zuvor, weil sich das Organisatorische gefühlt verdreifacht hat. Ich muss Liedzettel erstellen und drucken, weil keine Gesangsbücher ausgegeben werden dürfen. Vor dem jetzigen Lockdown haben wir mehr Gottesdienste veranstaltet, weil weniger Besucher zugelassen sind. Aber was mir sehr fehlt sind die regelmäßigen Probentermine mit meinen Chören und der persönliche Kontakt. Es gibt Tage, da muss mich das Pfarrbüro erinnern, welcher Wochentag eigentlich ist. 

Hat denn die Corona-Zeit in der Kirchenmusik etwas verändert?

Ganz klar. Eine Rückbesinnung auf besondere Musik in kleinen Ensembles. Normalerweise singen 40 Mitglieder in unserem Kirchenchor. Zu Weihnachten hatten wir eine Barockmesse mit zwei Geigern und einem Sänger, eine Mozartmesse ebenfalls mit zwei Geigern und vier Sängern und am Heiligen Abend ein modernes Stück mit Saxofon und Orgel. An Heilig drei Könige spielte ich an der Orgel eine englische Messe aus dem 19. Jahrhundert, begleitet von vier Sängern.

Was nehmen Sie an Erkenntnis aus der Krise mit? 

Ich hoffe wir werden achtsam im Umgang miteinander bleiben. Wir haben erfahren, dass nicht alles selbstverständlich ist. Unser Leben kann jederzeit eine völlige Drehung machen. Wir haben erkannt, wie wichtig Trost und Halt sind und das Leben nicht nur aus Party und Sommerurlaub besteht.   

Fotos: Mark Ehlert


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