"Kultur pur" in Wolfratshausen
"Kultur pur" in Wolfratshausen
So schnell kein Zapfenstreich
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 7.2.2025 – Rudi Zapf sucht auf der ganzen Welt nach altem Liedgut, rhythmischen Tänzen, traditioneller Volksmusik und macht daraus mit seinem Trio „Zapfenstreich“ seine eigene Weltmusik. Sie waren kürzlich eingeladen im Rahmen von „Kultur pur“ ins vollbesetzte Foyer der Loisachhalle. Was das Publikum dann erlebte, war ein pures Klangspektakel, getragen und geführt von den kleinen Schlägelchen, die Rudi Zapf, über die Hackbrettsaiten tanzen ließ. Er ist der Sammler der 7/8tel Takte. Er ist der Schmied kultureller Musikstile.
Seit Jahrzehnten ist Rudi Zapf ein bekannter Musiker, auch über Funk und Fernsehen. Er ist eine Koryphäe auf dem alpenländischen Instrument. Die Musiker Gerhard Wagner (Saxophon, Querflöte), Andreas Seifinger (Gitarre) und Stephan Lanius am Kontrabass gaben dem Klang der springenden Hämmerchen einen kunstvollen Rahmen.
Und dann gings pünktlich los auf die musikalische Weltreise der traditionellen Volksmusik von Kasachstan bis Südamerika. Aus der bayerischen Stubenmusik machen die „Zapfenstreicher“ sowas wie rhythmischen Jurten-Jazz. Aus Salsa und Son wird alpenländische Hackbrettmusik – ein musikalischer Kulturenmix vom Feinsten in Hochgeschwindigkeit. Es bleibt ein Rätsel, wie Zapf bei diesem Tempo mit den beiden Hämmerchen überhaupt die Saiten seines Hackbretts trifft. Aus dem Publikum kam deshalb immer wieder erstauntes Raunen. Zapf spielte ein von ihm bezeichnetes „Vibrandoneon“. „Das ist die rechte Knopfseite eines Bandoneons nur ohne Balg mit einem Schwanenhals zum Reinblasen“, erklärte Zapf seinen Gästen, der mit kleinen Späßchen zwischen der Musik durch den Abend führte. So gab es auch fürs Liedtitel erraten eine „halbe CD“ zu gewinnen. Zapf hat was Valentineskes an sich.7
Zwiefacher aus Chicago, ein Boarischer aus Brasilien
Saxophonist Wagner stellte mit seinem Instrument einen jazzigen Konterpart zu den Saitenleuten. Kontrabassist Lanius bearbeitete den Steg des voluminösen Instruments von ganz oben bis unten in einem Facettenreichtum tiefster Töne, und Gitarrist Seifinger spielte unter anderem seine Gitarre auf dem Schoß wie eine Zither. Das Resultat waren ein Zwiefacher aus Chicago, ein Brasilianisch-Boarischer und das Kufsteinlied auf Mazedonisch. Eine Polka aus Kuba, die an die Musik des Buena Vista Social Club erinnerte. So kann man Musikkulturen also verschmelzen und eine neue internationale Stubenmusik daraus machen. Das war hammermäßig gut! Und erst nach über zwei Stunden war dann Zapfenstreich.
Fotos: Andrea Weber








