Starkbierfest in der Loisachhalle Wolfratshausen: „Bergwaldgezwitscher“ trifft den Nerv der Zeit
Stadt Wolfratshausen
Von Peter Herrmann
Wolfratshausen, 24. März 2025 – Drei kräftige Schläge, ein freundlicher Blick ins Publikum – dann fließt das Bier. Bürgermeister Klaus Heilinglechner eröffnete am Freitagabend in der ausverkauften Loisachhalle das Starkbierfest, begleitet vom Beifall von 587 Gästen. Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem nicht nur das Bier süffig war, sondern auch die Kritik. Die Loisachtaler Bauernbühne nutzte ihr traditionelles Singspiel, um die kommunalpolitische Landschaft in und um Wolfratshausen mit spitzer Feder und feinem Spott zu vermessen. Titel des Abends: „Bergwaldgezwitscher“.
Politischer Spott mit Lokalkolorit: Das Singspiel „Bergwaldgezwitscher“
Die Stadtkapelle Wolfratshausen eröffnete das Programm musikalisch. Moderator Ludwig Gollwitzer begrüßte im Anschluss zahlreiche Amtsträger, darunter den Dritten Landrat Klaus Koch sowie Bürgermeister und Stadträte aus der Region. Dann hieß es Bühne frei – für ein Singspiel, das sich gewaschen hatte.
Mit der Titelmelodie der Muppetshow begann das „Bergwaldgezwitscher“. In den Rollen der ewigen Nörgler Waldorf und Statler kommentierten Ludwig Gollwitzer und Franz Foitzik gewohnt scharfzüngig das politische Geschehen:
„Wolfratshausen ist die Nummer 1 im ganzen Oberland mit Verhindern, Aussitzen und Bürgerbegehren. Nicht zu vergessen das allerbeste Steuergeldgrab: diese ewigen Gutachten“, klagte Statler.
Hausl (Tom Janoschi) beklagte vor allem die zunehmende Verschmutzung rund um den Bahnhof:
„Willst du nach Wolfratshausen reisen, geh vorher noch daheim aufs Haisl“, empfahl Hausl angesichts der fehlenden Toilette und zunehmender Verschmutzung.
Gutachten, Parkplätze und grüne Energie
Auch größere städtische Themen wie die Sanierung der Bergwaldbühne und das geplante Sturzflutmanagement wurden aufs Korn genommen. Das Dauerprojekt Parkdeckplanung wurde musikalisch persifliert – mit einer spöttischen Coverversion von Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“:
„Schon sehr lange Zeit, wohl noch ne Ewigkeit kreisen Autos durch die Stadt, weil’s keinen Parkplatz hat“, sangen die „Bergwaldspatzen“.
Währenddessen präsentierte Dr. Patrick Lechner (Tobias Zengerle) gemeinsam mit Umweltreferent Dr. Hans Schmidt (Markus Auer) kreative Lösungen zur Haushaltskonsolidierung – etwa mithilfe eines Solarrads, das grüne Leuchtkraft in der Marktstraße erzeugt.
Nachbarstadt im Visier
Spöttischer Seitenhieb auf Geretsried und gescheiterte Schulpläne
Sticheleien gab’s auch gegen die Nachbarstadt Geretsried, in der die Pläne für ein Sportgymnasium durch einen Bürgerentscheid gestoppt wurden:
„Der Bürgermeister hat sich ganz arg verkalkuliert. Das Volk sprach sich dagegen aus und hat die Sache abserviert“, trällerten die Bergwaldspatzen.
Zudem unterstellten Waldorf, Statler und ihre Pflegerin (Saskia Demmel) dem Geretsrieder Rathauschef Michael Müller Größenwahn, weil dieser massiv bauen lässt und sogar die Kreisstadt Bad Tölz ablösen wolle. Statler äußerte außerdem Zweifel an der S-Bahn-Verlängerung, deren Finanzierung fraglich sei.
Haushaltsloch? Wolfratshausen Dubai-Schokolade als Lösung
Ein kurioser Hoffnungsschimmer für die Stadtkasse kam zum Ende des Singspiels: Ein Neubürger, gespielt von Kurt Züge, überreichte dem Bürgermeister eine Tafel mit dem Etikett „Wolfratshauser Dubai-Schokolade“. Der Vorschlag:
„Werde diese 20.000 Mal vervielfacht und zu je 15 Euro verkauft, kommen 300.000 Euro in seinen Sparstrumpf.“
Klares Statement für Zusammenhalt und Demokratie
Zum Abschluss wurde es stiller – für einen Moment. Die Darsteller lobten die geschlossene Reaktion der Stadtgesellschaft auf jüngste rechtsextreme Schmierereien in Wolfratshausen:
„Da standen die Bürger und alle Stadträte wie eine Mauer“, sagte die Pflegerin (Saskia Demmel).
Es war ein leiser, aber klarer Appell – eingebettet in ein heiteres, pointiertes Stück Stadtleben. Und ein würdiger Schlussakt für ein Singspiel, das am Ende nicht nur unterhielt, sondern auch Haltung zeigte.
Nach dem von Monika Schwenger inszenierten Singspiel sorgte die Band Nachtstark mit Stimmungshits bis Mitternacht für eine ausgelassene Festatmosphäre in der Loisachhalle.












