Starkbierfest Wolfratshausen 2019
Sturschädel und Schrumpfköpfe
von Peter Herrmann
Wolfratshausen, 25.3.2019 – Die bayerische Bierkönigin Johanna Seiler zapfte in der ausverkauften Loisachhalle mit vier Schlägen das erste Starkbierfass an. Neben den musikalischen Beiträgen der Wolfratshauser Stadtkapelle und der Münchner Zwietracht galt das Interesse der Besucher vor allem dem Singspiel der Loisachtaler Bauernbühne.
Derblecken im Dreiakter
Moderator Ludwig Gollwitzer begrüßte Bruder Barnabas (Ludwig Schmid) aus der Nachbarstadt Geretsried. Einen längeren gemeinsamen Auftritt mit Gollwitzer wird es beim „interkommunalen Derblecken“ am 11. Mai geben.
Kurzweilige Unterhaltung versprachen sich die Besucher vom Singspiel „Neig’lurt“. Eveline Hörschelmann sang eine Coverversion des 1980er-Jahre-Hits „Bette Davis Eyes“. Der rote Vorhang öffnete sich und hervor trat das grell geschminkte Marktgschlerf (Monika Schwenger), die in jedem der drei Akte in jeweils ein Fenster hineinschaute. „Mia tuat’s so leicht vor gar nix grausen“, behauptet sie und beobachtet zunächst den Stammtisch des „Clubs der Harmlosen“. Quirin (Ludwig Gollwitzer), Horst (Michael Hanak), Helga (Felicitas Prankl), Bruno Bunker (Tom Janoschi) und die Bedienung Zenz (Daniela Ermer) lästern dabei über den entscheidungsschwachen Wolfratshauser Stadtrat, zu klein geratene Parkplätze und den Burgverein, der sich bald „Luftschlossverein“ nennen darf. Als Bauarbeiter Bruno einen Totenschädel, den er bei den Abrissarbeiten am Isar-Kaufhaus gefunden hat, präsentiert, rätselt die Runde über das Schicksal des gehirnamputierten Intelligenz-Allergikers. „Des is a waschechter Wolfratshauser Sturschädel“, mutmaßt Zenz. Am Ende des ersten Aktes bekommt jeder der 25 Stadträte ein Getränk bzw. eine Flasche verliehen. So erhält beispielsweise Kulturreferent Alfred Fraas einen Magenbitter gegen den Frust und der parteifrei für die CSU im Stadtrat sitzende Richard Kugler eine Flasche „Desperados“.
Größenwahnsinnige und Münchner Zwietracht
Im zweiten Akt nimmt das Singspiel den Wolfratshauser Bürgerbeteiligungsprozess auf die Schippe. „De Stadträt wern sie nur einigen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner – ois andere wird was für den Ofenbrenner“, prognostiziert das Marktgschlerf. Da könne auch ein Geretsrieder Motivator im Wolfspelz (Tom Janoschi) nicht mehr viel ausrichten. „Der kummt von dort, wo ma den Begriff Ewigkeit mit dem Begriff S-Bahn-Verlängerung gleichsetzt“, frotzelt Hermann Paetzmann. Im letzten Akt thematisieren viel beschäftigte Bauarbeiter die stetige Nachverdichtung und die hohen Immobilienpreise. „In unsrer Wolfratshauser Mini-Stodt bebauns a jedes Fitzerl“, jammert Willi (Chris Foitzik). Schorsch (Florian Roth) zieht ein ernüchterndes Fazit: „De Wolfratshausa san wia de Geretsrieder: genauso größenwahnsinnig. Aba halt nur im Kleinen“. Fast folgerichtig werden die im Rathaus sitzenden Stadträte mit einem Strahler versehentlich in Schrumpfköpfe verwandelt. Ein Blick ins Publikum beruhigte die Darsteller: „Schaugts doch obe! Da hocken’s doch alle in da Reih – und so „großkopfert“ wie oiwei!“, seufzte das Marktgschlerf. Als Krönung überreichten die Schauspieler die Köpfe an die Stadräte.
Nach der Aufführung bewiesen die zuvor so gescholtenen Wolfratshauser, dass sie zu feiern verstehen. Angeheizt von den Stimmungshits der Münchner Zwietracht erbebte die Loisachhalle bis kurz nach Mitternacht in ihren Grundfesten.












