Auszeichnung auf dem Wolfratshauser „Walk of Fame“
Sternstunde für Josef Brustmann
Von Bettina Sewald
Wolfratshausen, 21.10.2019 – Als Josef Brustmann als kleiner Bub seine ersten musikalischen Gehversuche mit Unterstützung seiner großen Geschwister im Umkreis von Wolfratshausen-Waldram unternahm, ahnte er nicht, dass er für sein künstlerisches Schaffen eines Tages einen Stern auf dem Wolfratshauser „Walk of Fame“ bekommen sollte. So geschehen am Samstag Vormittag vor der Loisachhalle im Rahmen einer kleinen Feierstunde.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch Werner Kuhlmann als „Herz-und Lungen-Maschine“ des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen sowie Bürgermeister Klaus Heilinglechner hielt der Kulturreferent Alfred Fraas eine wunderbare Laudatio auf den Preisträger. „Hiermit soll deutlich werden, dass sich der Preisträger über die Stadtgrenzen hinaus um Wolfratshausen verdient gemacht hat“, führt Fraas aus und nennt Brustmann einen wertvollen Botschafter der Loisachstadt. Fraas weiter: „Das ist zwar kein offizieller Titel aber wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass der Prophet im eigen Lande doch gehört wird.“ Anders als die Vielzahl der selbsternannten Comedians würde der Sänger, Lyriker und Kabarettist der Gesellschaft zwar durchaus kritisch und spitzfindig den Spiegel vorhalten, aber niemals unterhalb der Gürtellinie zuschlagen.
Tänzchen auf dem Stern
Die Gestaltung der Messingplatte lag in den Händen der Höhenrainer Künstlerin Sandra Kolondam, die bildlich die drei Bereiche Brustmanns künstlerischen Wirkens in einer Verbindung aus Narrenkappe, Lyra und Horn brachte. Brustmann wagte beim einsetzenden Nieselregen gut gelaunt ein Tänzchen auf „seinem Stern“.
Ein Wolfratshauser Original
Zuvor gab er den Festgästen eine kurzweilige Kostprobe seines Könnens. Mit musikalischer Unterstützung des grandiosen Tölzer Akkordeonisten Martin Regnat sang er beispielsweise sein Lied „An der Isar“, das dem Anlass entsprechend auf „An der Loisach“ umbenannte. Gemeinsam mit seinen sieben noch lebenden Geschwistern brachte er das herbstlich anmutende, heimische Volkslied „Braune Wiesn“ dar und sparte nicht an Lob für seine ihm herzlich zugetane Geschwisterschar: „Ich habe ihnen eigentlich alles zu verdanken, weil sie mich überall mit hingenommen und mir alles, nicht nur was ich für die Musik gebraucht habe, beibrachten.“ Er erzählte einige Anekdoten von Ausflügen im vollgestopften Fiat 500: „Einer fuhr, der Kontrabass war auf’m Beifahrersitz und wir haben uns zu dritt auf die Rückbank gequetscht.“ Überhaupt erinnere ihn seine Großfamilie manchmal an eine dieser artistischen Zirkusfamilien. Brustmann schmunzelt: „Da ist es doch auch üblich, dass der Kleinste, der Zarteste und vielleicht Schwindelfreieste ganz nach oben durchgereicht wird.“ Einen weiteres, sehr großes und natürlich mit einer kleinen Spitze verpacktes Dankeschön schickte der Wahl-Ickinger an seiner Ehefrau und Agentin Olivia Reinecke: „Sie hat sich damals schon in weiser Voraussicht geweigert meinen Nachnamen anzunehmen, auf dem hier künftig alle rumtrampeln.“ Seinen Antrag, dass man unter der schön gestalteten Messingplatte später auch einmal seine Urne beisetzen könne, habe die Stadt allerdings abgelehnt... Brustmann als ausgezeichnetes „Wolfratshauser Original“ ist im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen vielleicht das prominenteste Beispiel geglückter Integration.
Der, unter anderem 2015 mit dem Deutsche Kabarettpreis ausgezeichnete, Preisträger kam 1954 als achtes von neun Kindern einer mährischen Flüchtlingsfamilie in Teisendorf zur Welt und landete wenige Jahre später in Wolfratshausen-Waldram. Er lernte in der Großfamilie Tuba, Kontrabass, Klavier, Cello und vor allem, sich gekonnt in Szene zu setzen, dass er in der Kinderschar nicht unterging. Er studierte nach dem Abitur an der Münchner Musik-Hochschule und arbeitete zunächst als Musiklehrer an einem Münchner Gymnasium. Parallel hatte er immer Auftritte mit verschiedenen Musikformationen. Bekannt wurde er mit der Kabarettmusiktruppe Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn, bei der er von 1993 bis 2001 auftrat. Seit 2004 ist er als Solokabarettist unterwegs und hängte alsbald den Lehrerberuf an den Nagel. 2010 entwickelte er unter anderem die CD „Sterbelieder fürs Leben“ mit Marianne Sägebrecht und Andy Arnold und ist auch mit diesem Programm immer wieder unterwegs. Außerdem widmet er sich seit der Zeit intensiv mit Lyrik. Josef Brustmann ist derzeit parallel mit fünf verschiedenen Kabarett-Programmen auf Tournee und tritt im gesamten deutschsprachigen Raum auf.
Foto: Bettina Sewald






