Erinnerungsort Badehaus, Wolfratshausen-Waldram
Traurige Hinterlassenschaften
Von Peter Herrmann
Wolfratshausen-Waldram, 4.12. 2019 – „Von ganz unten – Die letzten Dinge“ lautet der Titel einer Sonderausstellung, die noch bis zum 29. März im Gartengeschoss des Badehauses am Kolpingplatz zu sehen ist. Die Bilder des italienischen Fotografen Mattia Balsamini zeigen Gegenstände von Flüchtlingen, die auf ihrem Weg über das Mittelmeer ertrunken sind.
Aktuelles Flüchtlingsdrama
„Wir präsentieren erstmals ein aktuelles Thema, das aber inhaltlich gut zu unserem Erinnerungsort passt“, erklärte Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft. Rund 70 Besucher erlebten eine berührende Vernissage, in der der per Skype zugeschaltete Fotograf Auskunft über seine Arbeit gab und die Tölzer Flüchtlingsbetreuerin Elisabeth Voigt einen jungen Asylbewerber aus Sierra Leone interviewte. Die berührenden Hinterlassenschaften, die vom Leben der Opfer erzählen, wurden im Wrack eines 2015 gesunkenen Bootes gefunden und von Mattia Balsamini für die Forensik in Mailand fotografiert. Balsamini wurde 1987 in Pordenone, Italien, geboren. Ab 2008 lebte er mehrere Jahre in Los Angeles. Dort war der 32-Jährige im Bereich Modefotografie und Film tätig.
Derzeit ist er Dozent an der Architekturhochschule von Venedig und arbeitet für verschiedene Fotoagenturen. Die Fotoreportage „Von ganz unten“ wurde am 17. Mai 2019 im Magazin der Süddeutschen Zeitung mit Texten von Margherita Bettoni und Lara Fritzsche veröffentlicht. Der Erinnerungsort Badehaus hat daraus eine Ausstellung konzipiert. „Die Bilder sind schwer zu ertragen: Hier geht es um unbequeme Wahrheiten“, erklärte Krafft. Von politischen Forderungen nahm sie Abstand. „Wir haben keine Lösung parat. Aber das Mindeste, was wir tun können, ist, an das Schicksal der Flüchtlinge zu erinnern“, betonte sie.
Erschütternde Schilderungen eines Überlebenden
Was die Afrikaner auf ihrer Flucht erleiden, erzählte der Überlebende Allan, der momentan in Bad Tölz wohnt, aber noch um eine langfristige Bleibeerlaubnis bangen muss. „Ich war 18 Stunden auf einem Schifft eingepfercht. Wir bekamen nichts zu essen und nichts zu trinken“, erinnerte er sich. Nach einer Odyssee kam Allan über Sizilien, Mailand und die Schweiz schließlich nach Deutschland und ist nun als Helfer in einer Penzberger Altenpflegeeinrichtung tätig. Nach seinen erschütternden Schilderungen betrachteten die Besucher der Vernissage die Fotografien, die unter anderem verblichene Bilder, Säckchen mit Heimaterde oder zerschlissene Ausweise zeigt. Ein vom Wolfratshauser Asylhelferkreis und Flüchtlingen zubereitetes Buffet sorgte dann für einen versöhnlichen Abschluss eines ergreifenden Abends. Finanziell unterstützt wird die Ausstellung vom Asylhelferkreis Wolfratshausen, der Evangelischen Kirchengemeinde St. Michael in Wolfratshausen, dem Franz-Geiger-Verein, der Giordano-Bruno-Stiftung sowie der Katholische Pfarrei St. Andreas.
Fotos: Peter Herrmann





