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Stadt Wolfratshausen: TV-Kriminaler Staller gastiert in der Loisachhalle

Stadt Wolfratshausen - KulturPur

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 8.2.2022 – Die Loisachhalle war ausverkauft, normal bestuhlt, voll besetzt, natürlich unter Einhaltung der Maskenpflicht. Große Spannung und Vorfreude der augenscheinlich ausschließlich eingefleischten Hubert-mit-und-ohne-Staller-Fans. Helmfried von Lüttichau, der Ex-Staller aus der beliebten TV-Krimiserie, präsentierte erstmals sein Solo-Programm "Plugged".

Ein solcher Fan ist auch Hermann Paetzmann, der sich mit einer sperrigen Mappe unterm Arm bemüht einen Platz in den Stuhlreihen zu ergattern. Darin seien Fotos von den bekannten TV-Kriminalern, verrät er beim Vorbeigehen. Nach der Vorstellung würde er sie gerne dem Publikumsliebling "Staller" überreichen. In seiner Druckerei in Wolfratshausen wurde schon zwei Mal gedreht. Paetzmann, der selbst ein Laienschauspieler ist, zieht ein Foto heraus, auf dem er selbst als blutverschmierte Leiche liegt. „Ja, ich durfte sogar mal mitspielen“, sagt er stolz. Dann setzte schon lauter Beifall ein, denn Helmfried von Lüttichau – der ehemalige Staller in der Serie – kommt auf die Bühne.

Ein paar Requisiten liegen am Moltonvorhang etwas unaufgeräumt am Boden. Mitunter auch eine rote E-Gitarre, die der rote Faden im neuen Solo-Programm, das schlicht „Plugged“ heißt, werden sollte. Eigentlich wollte Lüttichau immer ein Rockstar werden. Geworden ist aus ihm ein Hobbygitarrist, ein Dichter, ein bis zur Rolle „Staller“ eher unbekannter Theaterschauspieler und ein talentierter Dialektredner. Vor allem aber ist er ein echter Typ. So ein zeitgenössischer Karl Valentin. Von ihm habe der gebürtige Hannoveraner das Bayrischsein abgeschaut, wie er dem Publikum eingangs verrät.

Ein echter Graf

Immer wieder gab es Zurufe aus den Publikumsreihen, so als würde man sich per Du kennen. Auf die angekündigten Special Guests – Schauspielkollege Christian Tramitz und Kabarettist Johannes Ringlstetter, der in der Serie den halbseidenen Yazid spielt – mussten die Fans allerdings bis zum Ende des zweistündigen Soloauftritts warten. Denn Graf Lüttichau, übrigens ein echter Adliger, hatte genug aus seinem Leben zu erzählen, angefangen von der Jugend. „Ich war zu dick, sah aus wie Miss Piggy mit Prinz Eisenherz-Frisur“. Ein „Bewegungs-Legastheniker“ habe ihn Christian Tramitz einmal genannt, der auf Wunsch des Vaters Geige lernen musste. „Wer will schon einen Fidler am Lagerfeuer hören.“ Ein sogenannter „Zuagroaster“, der sich in die „Untiefen des bayerischen Dialekts“ vorarbeiten musste, um den urwüchsigen Bayern mit seiner grobschlächtigen Aussprache überhaupt zu verstehen.

Ein Dialektkünstler par Excellence

Heute ist Lüttichau Multilinguist und spricht während seiner Erinnerungen aus dem Künstlerleben je nach Begebenheit einwandfreies Hessisch, Sächsisch, Wienerisch, und hat mit dem urbairischen Genuschel kein Problem mehr. Er ist einfach ein Mensch auf der Bühne, wie der Kumpel am Stammtisch. Er ist wie er ist und erzählt drauf los, greift zur Gitarre, singt ein bisschen, bricht wieder ab. Dann kramt er hinterm Bühnenvorhang herum, kommt als langhaariger Rockmusiker zurück und singt sein Lied: „Ich fürchte nichts“. Und schließlich am Ende – darauf hatte das Publikum lange gewartet –  kamen seine Film-Kollegen auf die Bühne. Mit einem „Knocking on Heavens Door“ verabschiedeten sich die schrulligen TV-Kriminaler, nicht unbedingt instrumental exzellent, dafür sympathisch humorvoll und lustig.
 
Fotos: Andrea Weber


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