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Freies Landestheater Bayern in der Loisachhalle

Freies Landestheater Bayern in der Loisachhalle

„Und der Haifisch der hat Zähne…“

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 15.4.2025 – Wenn das Freie Landestheater Bayern in die Loisachhalle nach Wolfratshausen kommt, dann hat es immer ein besonderes Bühnenschmankerl im Gepäck. Dieses Mal, eines der berühmtesten Theaterstücke „Die Dreigroschenoper“, Text von Bertolt Brecht, Musik von Kurt Weill. Wer nun denkt, da gab es tragende Opern-Arien zu hören, hat sich geschnitten. Denn bei diesem Stück hat man es mit „Mackie Messer“ zu tun.

In der Loisachhalle waren nur noch wenige Plätze freigeblieben. Die Darsteller des Freien Landestheater Bayerns haben eine Glanzleistung hingelegt, gleichfalls die Musiker des dazugehörigen Orchesters. Das dreistunden lange Theaterstück war kurzweilig, spannend und ausdrucksstark inszeniert, sowohl von der schauspielerischen Leistung, des stimmgewaltigen Gesangs, der zurückgenommenen musikalischen Untermalung und der Bühnendarstellung, die nur durch weiße bewegliche Stoffwände die Kulisse je nach Szene modellierte.

Heuchelei, Macht und Doppelmoral

Soviel zur Aufführung in der Loisachhalle. Zum Stück selbst: Es sollte eine „Antioper“ für einfache Leute werden, aufgeführt in einfachen Verhältnissen und erschwinglich für jedermann, so wird der ursprüngliche Hintergrund im Programmheft beschrieben. Die „Dreigroschenoper“, auch als Bettleroper bezeichnet, wurde 1928 in Berlin uraufgeführt, in 18 Sprachen übersetzt und erreichte Weltruhm. Heuchelei, Macht und Doppelmoral sind die Kernthemen im Stück. Die Korruption zwischen der Unterwelt und Obrigkeit wird beeindruckend dargestellt. So steht ein Zitat aus dem Stück bezeichnend dafür: „Was ist der Unterschied zwischen einem Bankraub und der Gründung einer Bank?“. Auch in den Liedern wird das Milieu wunderbar transportiert. Von der „Zuhälterballade“ bis zur „Ballade des angenehmen Lebens“, vom „Eifersuchtsduett“ bis zum „Lied der sexuellen Hörigkeit“. Und nicht zuletzt weltberühmt wurde „Die Moritat von Mackie Messer“.  

„Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.“

Zur Handlung in Kürze: Es sind schwere Zeiten. Die Armut der Menschen wird zum Wirtschaftsfaktor. Der Bettlerkönig Jonathan Peachum verdient sein Geld mit der Vergabe von Lizenzen zum professionellen Almoseneintreiben. Er führt ein strenges Regiment. Seine Tochter Polly entflieht aus den Zwängen und heiratet den Gangster Macheath (Mackie Messer). Er ist der Gegenspieler ihres Vaters. Macheath pflegt eine enge Freundschaft zum Polizeichef „Tiger“ Brown. Doch Peachum, der seine Tochter samt Heiratsgut zurückhaben möchte, erreicht eine Verhaftung des Gangsterbosses. Macheath soll hingerichtet werden. Polly warnt ihren Mann. Er soll untertauchen. Doch die Hure Jenny verrät Macheath. Er kommt ins Gefängnis und soll hingerichtet werden. Am Ende nimmt das Stück eine unvorhersehbare Wendung. Mackie Messer wird begnadigt und wird sogar in den Adelsstand erhoben.

Die Besetzung:

Mackie Messer - Harald Wurmsdobler
Jeremiah Peachum – Andreas Agler
Celia, seine Frau – Monika Lachenmeir
Polly – Nicole Tschaikin
Polizeichef Brown – Robert Gregor Kühn
Lucy, Browns Tochter – Verena Eckertz
Jenny, die Hure – Maria Brunauer
Molly, Hure und Ansagerin – Melanie Renz
Polizist Smith – Andreas Haas
Bettler Filch – Tony Kainz
Münz-Matthias – Philipp Gaiser
Trauerweiden-Walter – Manfred Abholzer
Säge-Robert/Jimmy – Andreas Kochseder
Ede /Hakenfinger-Jakob – Tamino Rötzer
Pastor Kimbell – Rupert Ramsauer

Fotos: Andrea Weber


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