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„Blattgold“ mit Ecco Meineke und Andy Lutter im Foyer der Loisachhalle

Vom Aufstand der Pastinaken und der Sinnhaftigkeit des Lebens

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 27.5.2019 – „Blattgold“ heißt das neue Album von Ecco Meineke und Pianist Andy Lutter. Ein Jahr Produktion liegen hinter dem neuen Album. Elf Chansons sind entstanden, geschrieben von Meineke und Lutter.  Das DFB-Pokalendspiel könnte schuld daran gewesen sein, dass nur eine kleine überschaubare Zahl an Publikumsgästen den Weg ins Loisachhallen-Foyer gefunden hatten, zur Vorstellung des neuen Albums des Duos. Doch die beiden Musiker nahmen es sportlich. Der Vorteil: Es war ein ganz intimes Konzert in Wohnzimmer-Atmosphäre. „Ich kann Sie alle heute einzeln als Mensch wahrnehmen, das gibt’s auch nicht immer“, so Meineke zum Trost.

„Blattgold“ soll im übertragenen Sinne das widerspiegeln, was das Leben so treibt, in aller Schönheit, bewusst geschönt aber auch mit der Tatsache seiner Vergänglichkeit. Alles verpackt in stilvoller Sprache, in allegorischen Bildern mit einem gewissen feinen Humor und klarer Ansage. „Du bist ein Mensch und suchst Gesichter, hinter dem Blattgold dieser Zivilisation. Du findest Verpflichter und Verzichter, und als Trostpreis Illusion.“ Mit dem Titelsong des neuen Albums eröffneten die beiden Spitzenmusiker ihren Konzertabend, der für die anwesenden Zuschauer ein Kulturgenuss werden sollte. Von der Qualität der sanften Klaviermusik von Andy Lutter bis hin zur facettenreichen, teils improvisatorischen Stimme Ecco Meinekes, der sie auch für Rhythmus-Elemente einsetzte, war es ein Hörgenuss. Größtenteils sind die Lieder auf dem neuen Album aus der eigenen Feder aber auch von den großen Chansonniers Georg Kreisler („Mein Weib will mich verlassen – hoffentlich“) und Charles Aznavour („Sie“).

Frühling, Freiheit, Friedhof

Viel Tiefgründigkeit aber auch viel Humor und subtiler Zynismus gehören dazu. „Wenn man die Lieder schreibt, gehen die Bilder durch den Kopf“, erklärte Meineke dem Publikum zwischen den Songs. Vom „Ballett der Masken und Kostüme“ bis zum scheinrassistischen Mahnlied: „Aufstand der Pastinaken“. Von Melodien, die zwanzig Jahre im Schubladen des Musikers auf einen Liedtext warteten und heute ihren Platz im Abendprogramm gefunden haben. Von „50 Plus und gut im Schuss“ und den unbeschwerten „Jungs von damals“, die heute zunehmend mit der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert werden. „Frühling, Freiheit, Friedhof“ – auch das gehört für das Duo „Blattgold“ zum glanzvollen Leben. 

Fotos: Andrea Weber


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