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Erinnerungsort Badehaus, Wolfratshausen-Waldram

Was Heimatvertriebene auf ihrer Flucht mitnahmen

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen/Waldram, 4.6.2019 – Nach den Sonderausstellungen zu den jüdischen Architekten der Moderne und zum Thema „Wasser“ dürfen sich die Besucher des Badehauses nun auf die Wanderausstellung „Mitgenommen – Heimat in Dingen“ freuen. Gezeigt werden die Exponate vom 21. Juli bis zum 23. September. Wie die Waldramer Bürger zum Erfolg der Ausstellung beitragen können, verrieten die Mitglieder des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ bei einem Pressegespräch.

Kooperation mit dem Haus des Deutschen Ostens

Vor vier Jahren erlebte die vom Haus des Deutschen Ostens veranstaltete Wanderausstellung ihre Premiere und wurde mittlerweile bereits in 13 Orten gezeigt. Das Ziel, die Schicksale von Flüchtlingen, Vertriebenen, Deportierten und Aussiedlern auf einer persönlichen Ebene darzustellen, soll nun auch in einer Kooperation mit dem Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald erfüllt werden. Zu diesem Zweck haben die Mitglieder Gegenstände wie beispielsweise Umzugskisten, eine Mohnmühle oder ein Waschbrett gesammelt, die Flüchtlinge einst mit in ihre neue Heimat brachten. Und nicht nur das: Im Studio des Ickinger Dokumentarfilmregisseurs Rüdiger Lorenz wurden die Zeitzeugen Erna Schuppan, Herbert und Alois Brustmann, Christl Weinert und Wolfgang Henschelchen interviewt. „Die Kurzfilme sind während der Ausstellung zu sehen“, erklärte Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft.

Exponate mit emotionaler Bedeutung

Deutlich wird dabei, dass die Heimatvertriebenen im einstigen Lager Föhrenwald nicht von jedem mit offenen Armen empfangen wurde. Die wenigen Dinge, die sie von zu Hause mitnahmen, hatten für sie eine emotionale Bedeutung. So wurde beispielsweise Ludmilla Majores mit ihrer Mutter Marie und ihrer Schwester Gerlinde im Mai 1946 aus Bielau im Sudetenland vertrieben und kam über Wagstadt nach Dachau und schließlich nach Icking. In einem Wäschekorb brachten sie die wichtigsten Habseligkeiten mit nach Bayern. Der Vater von Ludmilla Majores war zu diesem Zeitpunkt in russischer Gefangenschaft.

Ab 1956 lebte die Heimatvertriebene mit ihrem Mann Peter und den beiden Söhnen Gerhard und Peter in der Waldramer Wolframstraße. Obwohl Eva Greif, Elena Zendler, Jonathan Coenen, Tilman Voss, Kreis-Heimatpflegerin Maria Mannes und Dr. Sybille Krafft bereits viel Material gesammelt haben, richten sie einen Aufruf an die Waldramer. Wer im Speicher oder im Keller seines Hauses noch Dinge aufbewahrt, die Heimatvertriebene auf ihrer Flucht mitgenommen haben, kann sie dem Verein leihweise zur Verfügung stellen.
Kontakt: info@remove-this.erinnerungsort-waldram.de  oder Tel. 0 81 71/2 5725 02

Fotos: Peter Herrmann


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