Freies Landestheater Bayern präsentiert Mozarts „Zauberflöte“, Loisachhalle Wolfratshausen
Zauberhafte Inszenierung zauberhafter Melodien
Von Assunta Tammelleo
Wolfratshausen, 12.12.2018 - Königsblau erhabene Felsen vor dunklem Schwarz im Bühnenhintergrund, davor in sattem hellen Grün die übergroße, zerrissene Welt-Scheibe, beidseitig umrahmt vom leuchtenden Rot der Theatervorhänge – die zahlreichen Besucher in der fast ausverkauften Loisachhalle erwarteten den Beginn der Aufführung mit spürbarer Spannung. Schließlich geht es um alles oder nichts in „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart (Musik) und Emanuel Schikaneder (Libretto), in hervorragender Qualität aufgeführt vom Freien Landestheater Bayern.
Unüberwindlich scheinende Gegensätze spalten die Welt; auf der einen Seite das Reich der Königin der Nacht mit ihren drei Damen, auf der anderen das des Sarastro und seiner Priester des Weisheitstempels. Dazwischen immer wieder und fast überall tauchen drei lederbehoste Sopranistinnen als Buben auf. In Wahrheit sind sie die drei Genien, aus dem Spalt der Welt entstiegen, deren Mission die Überwindung des tiefen Risses und die Wiederherstellung der Einheit der Welt ist.
Ein irdischer Spaßvogel: Vogelhändler Papageno
Sarastro hat Pamina, die Tochter der Königin der Nacht, gefangen genommen. Sie wird besonders bewacht vom in sie verliebten Aufseher Monostatos. Währenddessen kommt ein fremder Prinz, Tamino, in das Reich der Königin der Nacht, verliebt sich unsterblich in das Bildnis von Pamina und verspricht der verzweifelten Königin, dass er ihre Tochter befreien werde. Behilflich dabei möchte ihm der Vogelhändler Papageno sein, ein sehr irdischer Spaßvogel, der seinerseits auch sehr gerne ein „Weibchen“ hätte. Ausgestattet werden die beiden Tapferen mit magischen Instrumenten, einer Zauberflöte und einem Zauberglöckchen, die sie für die Abwehr aller Gefahren mit sich nehmen. Schnell findet Papageno die gefangene Pamina, doch der Fluchtversuch scheitert trotz Zauberglöckchen an Sarastro selbst und seinen Priestern. Weil Sarastro in seiner Weisheit direkt mit den Göttern verbunden ist, weiß er, was die anderen nicht wissen. Pamina ist von den Göttern für Tamino bestimmt. Und dieser soll ihm selbst – vor der Königin der Nacht – die Vormachtstellung auf Erden sichern. Dazu bedarf es allerdings einiger Prüfungen, die gleich auch Papageno mit auferlegt werden. Der allerdings – im Gegensatz zu Tamino - hat überhaupt nicht im Sinn, für höhere, edle Zwecke beispielsweise ein Schweigegelübde abzulegen. Das Drama nimmt seinen Lauf: die inzwischen rachesüchtig gewordene Königin der Nacht trifft sich - durch die Hilfe des überlaufenden Monostatos – mit ihrer Tochter, die für sie Sarastro töten soll.
Es ist alles, wie es sein soll auf der Welt
Pamina kann das nicht und stellt sich. Beim Treffen mit Tamino fällt sie in Verzweiflung, weil der sich aufgrund seines Schweigegelübdes kein liebes Wort entlocken lässt. Die vermeintlich Verstoßene möchte sich umbringen, was die drei Buben gerade noch verhindern können. Dazwischen maunzt und hadert immer wieder Papageno auf der Suche nach einer Papagena. Doch lernt er letztlich zu schweigen und wird mit einem „Weibchen“ belohnt. Indessen greift die Königin der Nacht mit ihrer Streitmacht Sarastro und seine Priesterschar an. Doch der anbrechende Tag versöhnt die widerstreitenden Gegensätze; die Königin der Nacht und Sarastro verlassen die Weltbühne, Tamino und Pamina erscheinen als das neue Vereinte, es ist alles wieder wie es sein soll auf der Welt.
„Die Zauberflöte“ ist die wohl am meisten gespielte Oper seit ihrem Entstehen, darüber hinaus meisterhaft verfilmt (Ingmar Bergmann) und auch in zahlreichen Marionettentheatern zu Hause. Das hat mehrere Gründe. Zum einen die wunderbar leichten, eingängigen Melodien („Es ist das höchste der Gefühle“, „Rache-Arie“, „In diesen heiligen Hallen“, „Zwei Herzen, die vor Liebe brennen…), dann die launige, irdische und eher komische Figur des liebestollen Vogelfängers Papageno und letztlich das große Thema „Streit, Hass, Krieg“, das durch die große ewige Liebe zwischen Frau und Mann überwunden werden kann, ein Menschheitstraum. Ein Schelm natürlich, der heutzutage im Weiteren darüber nachdenkt, warum ausgerechnet die Götter bestimmen können, wen Pamina lieben soll - und nicht sie selbst. Und auch, warum der durch und durch böse, Pamina zu vergewaltigen drohende Monostatos ausgerechnet ein Mohr, also ein Schwarzer ist? Die bahnbrechenden Ideen der französischen Aufklärung des 18.Jahrhunderts mit ihren Forderungen nach Freiheit und Gleichheit sind beim Freimaurer Mozart mit Sicherheit auf durchaus wohlwollende Ohren gestoßen. Allein, vermutlich ist die Handlung der Zauberflöte einfach auch nur dem Umstand geschuldet, dass die Oper, das Singspiel, die Menschen im ausgehenden 18.Jahrhundert vor allen Dingen gut unterhalten sollte.
Und das gelang auch mit der Aufführung am Sonntag in der Inszenierung des Freien Landestheaters Bayern wieder einmal hervorragend. Das gelungene, insgesamt doch eher zurückhaltende Bühnenbild mit seinen wenigen beweglichen Requisiten machte sich hervorragend als Hintergrund für die zahlreichen kostümierten Akteure. Und deren insgesamt wenig dramatisches, sich kaum hin und her bewegendes Schauspiel ließ den nötigen Raum sowohl für die großen Menschheitsthemen als auch für den unabgelenkten Genuss dieser Vielzahl an wahrhaft zauberhaften Melodien, die sich sicherlich nicht nur zufällig hohen Bekanntheitsgrad weit über die Gruppe der klassischen Opernfans hinaus erworben haben. Auch wenn Prinz Tamino an diesem grauen Adventsnachmittag sich durchaus noch ein wenig verliebter hätte geben können; es war eine mit verdientem, anhaltenden Applaus zu Recht bedachte Aufführung eines der großen Werke der Musikgeschichte.
Fotos: Andrea Weber










