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Starkbierfest in Wolfratshausen

Zünftiges Derblecken und Wiesnhits bis Mitternacht

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen, 13.3.2023 – Drei Schläge benötigte Bürgermeister Klaus Heilinglechner, um am Freitagabend das Bierfass in der ausverkauften Loisachhalle anzuzapfen. Danach sorgte das Derblecken der Loisachtaler Bauernbühne sowie die Musik der Stadtkapelle Wolfratshausen und der Oktoberfestband Münchner Zwietracht für ausgelassene Partystimmung. Ab Samstagmittag spendierte die Stadt dann den Senioren eine Neuauflage mit Getränke- und Brotzeitgutscheinen.

Politprominenz in Feierlaune

Bevor Klaus Heilinglechner sich die Lederschürze umband und zum Hammer griff, empfahl Hofbräuhaus-Traunstein-Geschäftsführer Maximilian Sailer den Genuss des Fastenbocks. „Er enthält 7,9 Prozent Alkohol und 19 Prozent Stammwürze“, berichtete er. Moderator Ludwig Gollwitzer begrüßte danach Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden und die zahlreich vertretene Politprominenz - darunter die stellvertretenden Landräte Thomas Holz und Klaus Koch sowie die Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber und Florian Streibl. Selbst die bayerische Bierkönigin Sarah Jäger wollte sich das Spektakel in der Loisachhalle nicht entgehen lassen und lachte über den Auftritt der Loisachtaler Bauernbühne.

Satirische Spitzen in „Verhinderungshausen"

„Dieses Stück ist Satire“, schickte Ludwig Gollwitzer im Prolog voraus. Es solle als Ermahnung dienen und die Stadträte samt Bürgermeister aufrütteln. Schon die erste Szene verdeutlichte das Dilemma der Wolfratshauser Kommunalpolitik. Am Tisch vor der Gaststätte Humplbräu und neben dem unverschiebbaren Marienbrunnen unterhielt sich eine Kellnerin (Melissa Demmel) mit vier Bauarbeitern (Max Prestel, Eva Zinneker, Tobias Zengerle und Markus Auer) und dem Bauleiter (Michael Hanak). „Die müssen die Zeit wieder aufholen, die mit Gutachten und sinnlosen Gegengutachten verplempert worden ist. Ganz zu schweigen von den Kosten für Bürgerentscheide und Ausgleichszahlungen, da in Verhinderungshausen“, schimpfte sie.

Als Running Gag schwebte Regisseurin Monika Schwenger im weißen Kostüm mit Eurozeichen auf die Bühne. „Und sind die Kosten auch noch so groß - es macht ja nichts - die planen bloß“, säuselte sie. Es folgten satirische Abrechnungen mit den Verwirrungen während den Corona-Lockdowns. Begleitet von der Titelmelodie der TV-Serie „Schwarzwaldklinik“ marschierte ein mobiles Impfteam mit Chefarzt (Kurt Züge), Krankenschwester (Michaela Schelshorn) und Pfleger (Julian Demmel) auf.

Vor der Impfung eines widerwilligen Bauarbeiters kritisierten sie Landrat Josef Niedermaier scharf: „Beinahe wäre der heimtückische Plan von Landrat Niedermaier aufgegangen“, erklärte die Krankenschwester. Lediglich den Demos der Klinikmitarbeiter sei es zu verdanken, dass der Fortbestand der Wolfratshauser Kreisklinik gesichert wurde. Hans Ketelhut sang dazu den umgetexteten Comedian-Harmonists-Schlager „Mein kleines Wolfratshausen" und kurz darauf die Bauernbühnen-Version des Abba-Hits „Money, Money, Money“.

Die Bewohner der Nachbarstadt Geretsried wurden für ihren vermeintlichen Bauwahn als „Krämmelsrieder“ derbleckt. „Da bauen's in einem Größenwahn, ohne ans Straßennetz und den Zuzug der Neubürger mit ihren Fahrzeugen zu denken“, wetterte die Bedienung. Ein Arbeiter schlug daraufhin die Errichtung einer Wolfratshauser Mautstelle vor. Schließlich brauche die Stadt das Geld für ihre eigenen Millionenprojekte wie beispielsweise die Erweiterung der Hammerschmiedschule oder die kostspielige Aufwertung der Altstadt. Laute Lacher gab's zudem für den zweckentfremdeten Tiny-House-Anhänger des Bauleiters, der neben dem geruchsintensiven Wertstoffhof gut aufgehoben wäre. Putzig wirkten die in Schürzen und Zipfelmützen aufmarschierenden Vertreter der „grünen Verbotspartei“ (Tom Janoschi, Ramona Funke und Lenny Lisy). Ihren Einsatz für den Klimaschutz wussten die Bauarbeiter jedoch kaum zu würdigen. Die Mandatsträger der konservativen Wolfratshauser Liste erwischte es noch schlimmer. Sie wurden als „alte Mottenkugeln“ bezeichnet. Nach dem einstündigen Theaterstück präsentierte die Band Münchner Zwietracht noch bis Mitternacht jede Menge Stimmungshits, zu der die Starkbierfestbesuchern teilweise auf den Tischen tanzten.

Seniorenstarkbierfest

Am darauffolgenden Samstagmittag durften Senioren, die 70 Jahre oder älter sind, das Singspiel der Loisachtaler Bauernbühne bei freiem Eintritt und Verzehrgutscheinen in Höhe von 10 Euro genießen. Zuvor unterhielt Hans Ketelhut die Besucher mit frechen Gstanzln, beliebten Evergreens und Schunkelmusik. Die städtische Seniorenbeauftragte Sibylle Gruber, Sozial- und Familienreferentin Gerlinde Berchtold sowie Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth freuten sich über eine erneut vollbesetzte Loisachhalle.

Fotos: Peter Herrmann


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