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Im Kanu auf der Suche nach Jack Londons Abenteuer

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 12.1.2014 – Seit den Geschichten der Goldsucher am Klondike von Jack London steckt in vielen Kindheitsträumen das Abenteuer vom wilden Alaska. Kann es sein, dass die Wolfratshauser gerade dorthin das Fernweh treibt, so zahlreich sie am Donnerstagabend zu dem Live-Vortrag des Abenteurers Dirk Rohrbach „Yukon – 3000 Kilometer Canada und Alaska“ gekommen waren? Bis auf den letzten Platz war die Loisachhalle ausverkauft. Als dann Dirk Rohrbach die Frage ans Publikum stellte, wer denn dort schon einmal gewesen sei, zeigte sich, dass nur wenige die nordamerikanische Region bisher besucht hatten. Das könnte sich jetzt ändern.

Der Arzt und Journalist Dirk Rohrbach ist Nordamerika-Spezialist. In 45 Jahren war er bereits 40 Mal auf diesem Teil des Kontinents unterwegs – per Fahrrad, zu Fuß und mit dem Kanu. Rohrbach ist neben all der grandiosen Naturerlebnisse immer auch auf der Suche nach sich selbst und den Menschen, die dort leben. Deshalb ist er stets allein unterwegs. „So findet man ganz einfach und schnell Kontakt“, weiß er aus Erfahrung. 

Mit einem Kanu aus Birkenrinde, selbstgebaut nach dem Vorbild nordamerikanischer Indianer, folgte er den Spuren der Goldgräber am Klondike, die zu Beginn des 19 Jahrhunderts zu tausenden in die unwegsame Region kamen, um ihr Glück zu finden und dabei oft ihr Leben ließen. Rohrbach sucht in seinen Abenteuern nach seiner Definition von Glück. Ihm geht es weniger um Geld und Gold, vielmehr um die Herausforderung, auf sich alleingestellt zu sein, in freier Natur einem Ziel zu folgen und es zu erreichen, was immer von ihm abverlangt wird – Boot flicken, Mückenschwärme abwehren, Zahnschmerzen aushalten, Stromschnellen passieren. 3000 Kilometer paddelte er vom Ursprung des Yukons bis zur Mündung in den Beringsee. 

Der Yukon sei nicht der schönste Fluss Nordamerikas, auch nicht der wildeste und nicht der längste, gab Rohrbach an, aber er ist die einzige Verbindung zu den indigen Siedlungen Alaskas. An seinen Ufern leben Menschen im Einklang mit der Natur, mit ihren Traditionen. Rohrbach: „Am meisten hat mich beeindruckt, wie hilfsbereit sie sind.“ Er, der Journalist, lässt die Leute in seinen Reportagen zu Wort kommen. Er traf Nachfahren der Indianerhäuptlinge und sah ihre traditionellen Tänze, er traf Lachsfischer und lernte deren spezielle Fangmethode am Yukon kennen und traf auf Aussteiger, Trapper und einen 80-jährigen Musiker, der ganz allein in der Wildnis lebt. Anhand dieser Erzählungen und seinen beeindruckenden Fotos und Film-Sequenzen zeigt er die unberührte Natur entlang des Yukons und präsentiert mit historischen Dokumenten die Geschichte der Region.

Wilde Bergmassive, sumpfige Flussverzweigungen, leuchtendes Polarlicht und romantische Nachtlager an einsamen Sandbänken

Unweigerlich entsteht ein sehnsüchtiges Gefühl von Fernweh, wenn er die Bilderserie von unglaublichen Sonnenuntergängen präsentiert, von wilden Bergmassiven, sumpfigen Flussverzweigungen, vom leuchtenden Polarlicht und seinen romantischen Nachtlagern an einsamen Sandbänken – mit dem groovenden Sound meditativer Klänge der Indianer oder altem nordamerikanischem Country und Blues unterlegt. Nach zwei Stunden Bilderreise auf dem Yukon erreichte Dirk Rohrbach nicht nur sein Ziel an der Beringsee-Mündung, sondern auch sein Publikum, dass er sicher eindrucksvoll davon überzeugen konnte, dass das Leben und die Kultur Kanadas und Alaskas nie verloren gehen dürfen. 

Fotos: Dirk Rohrbach und Oberland.de

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