WISSENSCHAFT
„Fröhliche Wissenschaft“ erfährt viel Schmunzeln und Applaus
Freunde des Weilheimer Theaters luden zu einem ausgeschlafenen Infotheater
von Anneliese Reichert-Schwaiger
Weilheim – Ein gutes Händchen für professionelles, heiteres, komisches und lehrreiches Theater hatten die Freunde des Weilheimer Theaters am vergangenen Sonntag, den 4. November. Es wurde zu Prof. Zulleys Schlaflabor eingeladen, und das Publikum genoss den Abend voller Schläfrigkeiten. Auch starke Schnarcher waren herzlich willkommen.
Unter der Anleitung des renommierten Schlafforschers der Universität Regensburg Prof. Jürgen Zulley präsentierten Martin Hofer und Heinz Müller vom Turmtheater Regensburg eine Wissenschaft kurzweilig und informativ. Das Ziel, die allgemein als relativ trocken angesehene Theorie mit Schauspiel zu vermischen, um einen ebenso heiter-komischen wie auch informativen Theaterabend, also einen gemeinsamen Schlafabend zu gestalten, wurde erreicht.
Ums Schlafen ging es den ganzen Abend, doch an Schlaf war nicht zu denken. Oder doch? Man dachte ans Einschlafen, das eigene Einschlafverhalten, ans Gähnen, an Schnarchgeräusche und ans Aufwachen und wie Martin Hofer meinte: „Manche schlafen, während sie wach sind. Andere sind wach, während sie schlafen und wieder andere wissen nicht, ob sie gerade schlafen oder wachen. Aber die meisten wissen auch nicht, was jetzt eigentlich besser wäre: schlafen oder wachen. Schlafen wir erst mal drüber.“
Beeindruckend gelang es den Schauspielern Heinz Müller und Martin Hofer Szenen mit Texten aus der Weltliteratur – im Bett – zu rezitieren und Prof. Dr. Zulley packte interessante Aspekte des Schlafes unterhaltsam mit in die Bettdecke. Gleich zu Anfang gab es für das Publikum jede Menge zu tun. „Hände hoch“ zum kollektiven Gähnversuch und im Kanon das Lied „Abendstille“ singen. Na dann: Gute Nacht! Die Gäste dankten mit Applaus und guter Laune. Weiter ging´s ins Tierreich und um Schlafzeiten: Löwen schlafen 16-18 Std.; Kühe 3-4 Std. und Fledermäuse 20 Std..
Wie wichtig Schlaf für die Regeneration ist, zeigte Prof. Zulley eindrucksvoll anhand von Beispielen. Bei dem Versuch mit Erkältungsviren durfte die Hälfte der Testpersonen schlafen und die anderen nicht. Bei den Nichtschläfern kam die Krankheit im Vergleich dreimal so häufig zum Ausbruch. Auch die Körpertemperatur wurde wissenschaftlich beleuchtet. Prof. Zulley: „In der Nacht zwischen 3 und 4 Uhr, die „Stunde des Wolfs“ oder die „biologische Mitternacht“ genannt, sind wir am kältesten, die Körpertemperatur sinkt um 1,5 ° Celsius. Ebenso am Nachmittag. Deshalb spricht man hier von einem labilen Organismus und die Studie belegt: die meisten Menschen sterben am frühen Morgen oder am Nachmittag.“ Weiter ging´s mit dem Schmerzempfinden. „Gehen Sie am Nachmittag zum Zahnarzt, sie werden 1/4 weniger Schmerzen empfinden, das Schmerzempfinden lässt nach Mittag erheblich nach.“
Unser Gehirn ist immer im Wachzustand
Wissenschaftlich humorvoll ging es weiter mit dem Tiefschlaf, der uns eine halbe Stunde nach dem Einschlafen erreicht. Prof. Zulley: „Es ist ein Irrglaube man müsste durchschlafen. Keiner schläft durch. Wir wachen viermal die Stunde auf, d.h. bei 7 Stunden Schlaf ca. 28 mal. Vergessen Sie, dass sie aufgewacht sind, hat das Aufwachen nicht existiert. Nur wer länger als drei Minuten wach ist, kann sich daran erinnern.“ Bewiesen wurde in der Forschung auch, dass unser Gehirn immer im Wachzustand ist. Wie könnte man es sich sonst erklären, dass Mütter beim kleinsten Geräusch ihres Babys aufwachen, aber laute Musik oder Autogeräusche im Schlaf nicht hören. Wir hören, bewerten und reagieren auch im Schlaf.
„Wenn Sie sich noch für keine Schlafstörung entscheiden konnten, kommen Sie ins Schlaflabor.“
Wissenschaftliche Studienergebnisse im Schlaflabor und die zwei Testpersonen mit Masken brachten dem Publikum so manche neue Erkenntnis. So gibt es 88 Formen von sogenannten Schlafstörungen, so auch das Schlafwandeln, Schnarchen oder die Durchschlafstörung. Als Einschlafhilfen wurden ruhige klassische Musik, Hörbücher, Entspannung, monotone positive Gedanken, ausreichende Schlafhygiene und warme Füße genannt. Auch einen guten Tipp gab Zulley den Zuhörern mit nach Hause „Wenn Sie sich jetzt noch für keine Schlafstörung entscheiden konnten, kommen Sie ins Schlaflabor. Wir beraten Sie gerne.“
Kulturelles (Er-)Leben im Weilheimer Stadttheater
Kultur auf der Bühne im Weilheimer Stadttheater – und kulturelles Leben im Anschluss bei einem kleinen Imbiss – Gespräche, Lachen, Diskussionen und zufriedene Gesichter – ein Dankeschön an die Organisatoren.
Die Aufführung war ein Erfolg für das Turmtheater in Regensburg, für Prof. Zulley und auch für die Freunde des Weilheimer Theaters, denen es gelang, dieses humorvolle und aufschlussreiche Stück nach Weilheim zu bringen. Ein Erfolg, der hoffentlich fortgesetzt wird.
Fotos: Anneliese Reichert-Schwaiger, Fenny Rosemann













