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Bürgerladen Wolfratshausen ist gegründet

Mit viel Engagement zur besseren Nahversorgung

von Peter Herrmann

Wolfratshausen, 3.3.2015 – Über 130 Bürger nahmen am Donnerstagabend in der Aula der Hammerschmiedschule an der Gründungsveranstaltung des Bürgerladens teil. Nach über drei Stunden waren es immerhin noch 126 Wolfratshauser, die die Trägergesellschaft für den künftigen Bürgerladen am Untermarkt 10 gründeten und den Gesellschafterrat wählten. Davor zeichneten sie zudem Anteilsscheine im Gesamtwert von 44.400 Euro. Mit diesem Grundkapital sollen Waren beschafft werden, die den Kunden voraussichtlich ab Ende September am Untermarkt angeboten werden.

Volle Rückendeckung der Stadt
Bürgermeister Klaus Heilinglechner betonte vorab erneut die Wichtigkeit eines Nahversorgers in der Altstadt und lobte das Engagement der Wolfratshauser Bürger. „Als am 30. Juni 2014 die Tengelmann-Filiale am Untermarkt geschlossen wurde, setzte kein großes Jammern ein. Die Wolfratshauser Bevölkerung steckt ihren Kopf nicht in den Sand, sondern macht was“, freute sich Heilinglechner. Er sei jedem dankbar, der sich für den Bürgerladen engagiert. „Da kommt eine Welle auf, die hoffentlich auch andere Ladenbesitzer mitreißt“, hofft der Bürgermeister. Der Stadtrat beschloss in seiner Februarsitzung einstimmig, dass für die nötigen Umbaumaßnahmen an dem derzeit leer stehenden Gebäude 460.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden.

ReAL Isarwinkel wird nicht Ladenbetreiber
Die Isarwinkler Werkstätten des Verbunds ReAL Isarwinkel werden nicht wie ursprünglich vorgesehen, die Betreiberschaft des Bürgerladens übernehmen. Laut dem stellvertretenden Vorsitzende der Gründungsinitiative, Ernst Gröbmair, habe das überraschend große Engagement der Wolfratshauser für den Laden zu der einvernehmlichen Trennung geführt. „Das hat uns dazu verleitet, es selbst zu machen“, erklärte Gröbmair. Zudem müsse der ReAL-Verbund derzeit interne Probleme klären. Der Gedanke, Menschen mit Förderbedarf in dem Bürgerladen zu beschäftigen, wurde indes nicht verworfen. Ob dabei eine Kooperation mit ReAL oder anderen Initiativen stattfindet, ließ Gröbmair aber offen.

Stattliches Grundkapital
Das für die Gründung notwendige Mindestkapital von 60.000 Euro wird sicher zusammenkommen. Denn neben den 135 am Donnerstagabend anwesenden Bürgern, die Anteilsscheine in Höhe von 44.400 Euro zeichneten, kommen rund 200 hinzu, die in den vergangenen Monaten per Unterschrift ihr Interesse an einer Beteiligung von 200 Euro pro Anteil bekundet hatten. Diese Interessenten erhalten ihre Papiere per Post, sodass die Summe von 60.000 Euro sicher noch übertroffen wird.

Die bei der Gründungsveranstaltung anwesenden Bürger stimmten zunächst über die Strukturen der Gesellschaft ab. Berater Wolfgang Gröll empfahl für die Betreibergesellschaft des zukünftigen Ladens eine Rechtsform gefunden, die sich am Genossenschafts-Gedanken orientiert. In der danach gegründeten „Bürgerladen Wolfratshausen UG (haftungsbeschränkt) & Still“ sind alle Anteilseigner als stille Gesellschafter organisiert. Die Mitgliedschaft wird sich in der Anfangsphase auf einen Zeitraum von mindestens zehn Jahre erstrecken.

In regelmäßigen Gesellschafterversammlungen werden grundsätzlichen Entscheidungen gefällt und ein Gesellschafterrat gewählt. Dieser erfüllt zudem die Aufgaben eines Aufsichtsrats und bestimmt aus seinen Reihen wiederum einige Mitglieder, die als Gesellschafter eine haftungsbeschränkte UG gründen, eine Variante der Rechtsform GmbH. Der Gesellschafterrat setzt zudem den Geschäftsführer ein, der die Verantwortung für das Tagesgeschäft und das angestellte Personal trägt.

Die stillen Gesellschafter müssen bei einem Misserfolg nicht mit weiterem Geld haften und sich auch nicht um Steuerfragen kümmern. Sie haben aber die Möglichkeit, sich im Laden oder in seiner Verwaltung einzubringen oder für die genannten Funktionen zu kandidieren. In den Gesellschafterrat wurden Stefanie Linke, Karin Strobl, Renate Holler-Rieger, Gerty Schoelen, Inka Klein, Eberhard Hahn, Michael Ballon, Ernst Gröbmair, Richard Ott, Max Prestel und Paul Goldhofer gewählt.

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