Neujahrsempfang im Oberland: Künstliche Intelligenz als Chance für Wirtschaft und Verwaltung
Wirtschaftsforum Oberland, IHK und Handwerkskammer
von Peter Herrmann
Bad Tölz, 24. Januar 2026 – Rund 350 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kommunen folgten am Donnerstagabend der Einladung des Wirtschaftsforums Oberland (WFO), der IHK sowie der Handwerkskammer für München und Oberbayern ins Tölzer Kurhaus. Im Mittelpunkt des diesjährigen Neujahrsempfangs stand das Thema Künstliche Intelligenz (KI) – praxisnah, verständlich und mit Blick auf den Mittelstand.
Hauptredner des Abends war Professor Dr. Christian Stummeyer, der in seinem Vortrag anschaulich darlegte, welche konkreten Potenziale KI bereits heute für Unternehmen und Verwaltung bietet.
Willibald eröffnet den Abend mit wirtschaftspolitischer Einordnung
WFO-Aufsichtsratsvorsitzender Killian Willibald begrüßte die Gäste im vollbesetzten Kurhaus. „Zweck des Neujahrsempfangs soll es sein, sich locker und humorvoll zu begegnen“, betonte er. Zugleich sparte Willibald die aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforderungen nicht aus. Er verwies auf politische Unsicherheiten und den Reformstau der vergangenen Jahre. Besonders kritisch sehe er die „schädliche Diskussion über die Erbschaftssteuer“, die den Fortbestand vieler Familienbetriebe gefährde. Wirtschaftliches Wachstum sei kaum noch erkennbar, stattdessen mache sich eine zunehmende Deindustrialisierung bemerkbar.
Wie Künstliche Intelligenz Unternehmen und Verwaltung entlastet
Anschließend erläuterte Professor Dr. Christian Stummeyer die Möglichkeiten generativer Künstlicher Intelligenz. Der 53-jährige Unternehmer berät Großunternehmen und Mittelständler zu Digitalstrategie, E-Commerce, KI und digitaler Transformation. Zudem ist er seit zehn Jahren Inhaber der Professur „Wirtschaftsinformatik und Digital Commerce“ an der Technischen Hochschule Ingolstadt sowie wissenschaftlicher Leiter des Netzwerks AININ („Artificial Intelligence Network Ingolstadt“).
„Im letzten Jahrzehnt hat KI zu vielen Arbeitsentlastungen geführt“, erklärte Stummeyer. Neben der Automatisierung von Routinetätigkeiten – etwa in Buchhaltung oder Produktion – nannte er Text- und Spracherkennung, Daten- und Bilderanalyse als zentrale Anwendungsfelder. Sprachmodelle wie GPT („Generative Pre-trained Transformer“) könnten heute nicht nur Texte formulieren, sondern auch zielgruppengerecht anpassen. So könne ein ChatGPT-Prompt beispielsweise dem „Verwaltungsmitarbeiter eines Tölzer Bauunternehmers helfen, eine passende Stellenanzeige für einen Bauingenieur“ zu verfassen – inklusive Tonalität, Qualifikationen und Ansprache der Generation Z.
Auch Bürgerinnen und Bürger würden künftig verstärkt KI-Systeme nutzen, um sich zu informieren. Schon heute seien sekundenschnelle Übersetzungen in mehr als 100 Sprachen möglich. Eindrucksvoll illustrierte Stummeyer die rasante Entwicklung anhand des sogenannten KI-Abiturs: Während ChatGPT 3.5 im Jahr 2022 nur knapp bestand, erzielte ChatGPT 4 in Fächern wie Deutsch, Mathematik, Informatik, Ethik und Geschichte jeweils gute Noten. „KI-Systeme werden zu intelligenten Agenten und wir werden zu Führungskräften der KI“, so sein Fazit.
Praxisbeispiele zeigen Chancen und Grenzen von KI
Mit Beispielen aus der KI-Bildgenerierung zeigte Stummeyer, wie realistisch heute fiktive Motive erzeugt werden können – etwa ein Selfie der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem verstorbenen Papst Franziskus oder eine perfekt inszenierte Werbekampagne für ein Online-Konto. Zwar sprach der Referent auch die „dunklen Seiten der KI“ an, etwa die Möglichkeit rufschädigender Inhalte. Insgesamt überwögen jedoch die Chancen deutlich.
Eine aktuelle Studie der Harvard Business School belege, dass KI-Nutzer ihre Aufgaben schneller, umfassender und qualitativ hochwertiger erledigen. „Effizienzgewinne durch KI verringern den Fachkräftemangel: Wir brauchen Mut, Offenheit und Neugier – und lebenslanges Lernen“, appellierte Stummeyer zum Abschluss.
Im Anschluss nutzten die Gäste den Abend für intensives Networking und persönlichen Austausch.










