„Kreativ. Erfolgreich im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen“
Roadshow der Kultur- und Kreativwirtschaft macht Station in Gelting
Von Peter Herrmann
Geretsried, 5.4.2014 – Rund 50 Gäste folgten am Donnerstagabend einer Einladung der Europäischen Metropolregion München (EMM), des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen und des Wirtschaftsforum Oberlands. Jürgen Enninger informierte über die Wirtschaftskraft und das Potenzial kreativer Dienstleister und moderierte die Podiumsdiskussion mit Gerhard Meinl, Günter Wagner, Nikolaus Sanktjohanser und Carola Cinelli.
„Die Zahlen der EMM-Studie haben mich wirklich erstaunt“, gestand Klaus Koch, stellvertretender Landrat des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Demnach stellt die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Metropolregion München mit einem Jahresumsatz von 20 Milliarden Euro einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Die Branche umfasst die elf Teilmärkte Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt sowie Software- und Gamesindustrie. Alle Teilbranchen verbindet die Gemeinsamkeit, dass ihrem Schaffen immer ein schöpferischer Akt zugrunde liegt. Anders als öffentlich finanzierte kulturelle Institutionen wie Theater oder Oper, sind sie überwiegend erwerbwirtschaftlich orientiert. „Unser Ziel muss es nun sein, dieses wichtige Thema in die Mitte der Gesellschaft zu rücken“, fordert Koch. Andreas Roß, Vorsitzender des Wirtschaftsforums Oberland, und EMM-Geschäftsführer Wolfgang Wittmann wollen ihn dabei unterstützen.
Kultur und Kreativwirtschaft im ländlichen Raum
Jürgen Enninger leitet das Regionalbüro Bayern im Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und will der Branche mithilfe einer Veranstaltungsreihe und Beratungsgesprächen zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen. Er stellte fest, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern im ländlichen Raum sogar noch stärker vertreten ist als in den Städten. Dabei ist der Anteil an hochqualifizierten Frauen besonders hoch. Wie es am besten gelingt, mit Kunst auch Geld zu verdienen und sein Produkt ordentlich zu vermarkten, hängt natürlich von der Situation jedes Einzelnen ab.
Enninger bietet am 17. April und 15. Mai in Bad Tölz tagsüber kostenlose persönliche Beratungsgespräche an. Treffpunkt ist jeweils in der Co-Working Heimat 2.0. in der Marktstraße 4. „Wir erleben eine Situation, in der immer mehr Menschen ihre Produkte zu immer niedrigeren Preisen anbieten. Das muss anders werden“, fordert Enninger.
Qualität muss ihren Preis haben
Für die Podiumsdiskussion lud Jürgen Enninger vier im Landkreis beheimatete Freiberufler auf die Geltinger Hinterhaltbühne. Die Grafikerin Carola Cinelli zog vor einigen Jahren aus München nach Wackersberg und erlebte im Landkreis „sehr offene Menschen“. Sie entwarf unter anderem eine Kampagne für die Gaißacher Likörfirma „Hirschkuss“. Ihr Erfolgsrezept klingt einfach: das Vertrauen der Kunden gewinnen und dann eigene Ideen selbstbewusst präsentieren. Film- und Theaterkulissenbauer Nikolaus Sanktjohanser arbeitete lange Zeit am Münchner Residenztheater, ehe er sich 1996 selbstständig machte. Unter Wert will sich der in Geretsried lebende Künstler nicht verkaufen. „Material, Zeit und geistiges Eigentum müssen mit eingerechnet werden. Das versuche ich, den Kunden zu vermitteln“, so Sanktjohanser.
Genauso viel Zeit und Energie in die Vermarktung stecken wie in die Produktion
Theater- und Musikautor Günter Wagner hat erfahren, dass sich auch ein gutes Produkt nicht von selbst verkauft. „Wenn du eine CD aufgenommen hast, musst du danach mindestens genauso viel Zeit und Energie in die Vermarktung stecken“, so Wagner. Dazu gehöre es auch, sich ein funktionierendes Netzwerk aufzubauen. Der Geretsrieder organisierte unter anderem den Geretsrieder Kulturherbst und das Wolfratshauser Flussfestival. Gerhard Meinl, Vorsitzender des Verbands Deutscher Musikinstrumentenhersteller, verwies auf die Wichtigkeit von Verbänden. „Wir sorgen dafür, dass Freiberufler an internationalen Messen teilnehmen können. Zudem kämpfen wir für faire Handelsbedingungen und gegen billige Plagiate aus Fernost“, erklärte Meinl. Er kritisierte, dass sich viele Kreative immer noch als Einzelkämpfer verstünden. Musikalisch begleitete der Ickinger Pianist Ralph Kiefer den Abend. Beim anschließenden Buffet hatten die Gäste die Möglichkeit sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.
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