Das Magazin für das Bayerische Oberland

Ansichten eines Clowns: Die strahlenden Augen, das Lachen und die erfrischende Begeisterung im Publikum verrieten es klar und unübersehbar: Der Auftritt des Clowns Dimitri in einer ausverkauften Loisachhalle begeisterte restlos.

Virtuos, lebendig und höchst vergnüglich

Von Claudia Koestler

Wolfratshausen, 22.12.2013 – Seine Hände, seine Mimik sprechen Bände: Der weltbekannte Clown Dimitri aus der Schweiz zeigte in Wolfratshausen ein feinfühliges Programm voller künstlerischer Ästhetik, wortloser Poesie und wunderbarem Humor. Bilderkraft und Fantasie, Sinn für Dramatik, Charme und Witz: All das kann man Dimitris Vorstellung, die eine Art „best-of“ seiner bisherigen Programme aus über 50 Jahre war, bescheinigen. Virtuos, lebendig und höchst vergnüglich entfachte Dimitri ein fulminantes, komödiantisches Rollenspiel und bescherte den Kindern wie den Erwachsenen im Publikum einen unvergesslichen, zauberhaften Theaterabend.

Denn Dimitris Figuren machen kleine Tücken des Alltags zu einem Ereignis und rühren durch liebevolle Details. Eine große Kulisse braucht der Clown dafür nicht: Nur ein paar Kisten und Koffer, die auf der Bühne verteilt sind, und ein Kleiderständer mit Requisiten und Kostümen. Dazwischen klettert, turnt und balanciert Dimitri herum und beginnt, ihren Inhalt zu erforschen. Bis ins kleinste durchkomponiert sind dabei seine Bewegungsabläufe: Geschmeidig wie eine Katze ist der inzwischen 78jährige Pantomime, fließend seine Bewegungen, amüsant und unterhaltsam sind die kurzweiligen Geschichten. Etwa, wenn er in den Kisten Musikinstrumente findet und sich selbst damit nach und nach zu einer Ein-Mann-Kapelle aufstockt oder den kleinen Hunger mit der einen oder anderen Banane tilgt – allerdings mit Konsequenzen, denn wohin nur mit der Schale auf der Bühne?

Fließende Rollenwechsel: Italienisches Maskentheater, Harlekin, trauriger Clown oder Beelzebub

Genauso wurde befreiend gelacht, als er sich in Gummischnüren verhedderte oder ein Koffer partout nur dann zu heben war, wenn er die Mütze eines Portiers aufsetzte. Vor allem in einer äußerst virtuosen Nummer mit einem widerspenstigen Klapp-Liegestuhl verblüffte er mit seinen von Leichtigkeit geprägten Bewegungen. Und unvergleichlich waren seine fließenden Rollenwechsel: Mal nutzte Dimitri die Vorzüge des klassischen italienischen Maskentheaters, um sich ganz in der Tradition der Commedia dell’arte ein imaginäres Festmahl zuzubereiten. Dann wiederum gab er den Harlekin, den traurigen Clown, der beim Versuch, ein Stück auf der Panflöte zu spielen, nach und nach alle Zähne ließ. Und auch die Gestalt des Beelzebub hatte es nicht leicht: Sein Schwanz verfing sich beim Stöbern in den Kisten immer wieder zwischen Deckel und Kisten, was den Schreckenstyp jammern ließ wie eine Memme.

Herzerfrischend und selbstironisch

Dimitris Szenen lebten folglich von der markant-intensiven Darstellung und dem Wechsel von Slapstick- Einlagen, Persiflagen auf das Alltägliche und leicht melancholischen Rührungen. Die meisten seiner Geschichten erzählte er ohne Worte. Nur wenn er in den Koffern etwas besonders Interessantes fand, kramte er es schon mal mit einem freudigen „Uuuuiuiuiuiui“ hervor oder zauberte sich ein Mahl mit italienischen Küchenbegriffen. Auch wenn Dimitris Kunst – mit Ausnahmen eben – ohne Worte auskam, gab es doch allerlei zu hören: Von der Akrobatik, vier Saxofone gleichzeitig zu spielen über die melancholischen Klänge zweier Bandoneons bis hin zu einer Jodeleinlage. Kurzum: Der Solo-Abend in Wolfratshausen war eine herzerfrischende, selbstironische Reminiszenz an Clown Dimitris Laufbahn und seine Figuren. Zugleich war es ein flammendes Plädoyer für diese Kunstform. Stehende Ovationen und rauschender Applaus waren dem Meister der liebenswert-poetischen Clownerei trotzdem sicher.

NEWS