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Franz Marc Museum eröffnet Ausstellung über Adolf Erbslöh

Kochel am See

Von Fenny Rosemann

Kochel am See, 26. April 2026 – Das Franz Marc Museum widmet Adolf Erbslöh mit der Ausstellung „Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne“ eine umfassende Schau und rückt damit einen bedeutenden, heute oft übersehenen Künstler der frühen Moderne in den Mittelpunkt. Bis zum 26. Juli sind rund 40 Gemälde des Malers Adolf Erbslöh (1881–1947) zu sehen – viele davon aus privaten Sammlungen und teils erstmals öffentlich ausgestellt.

Museumsdirektorin und Kuratorin Jessica Keilholz-Busch verwies bei der Eröffnung auf die Besonderheit der Ausstellung: „Ein Großteil der Arbeiten, die wir heute sehen werden, kommt aus privaten Sammlungen und sind zum Teil selten bis nie in der Öffentlichkeit präsentiert gewesen.“ Für die privaten Leihgeber sei dies ein besonderer Vertrauensbeweis. Sie verzichteten vorübergehend auf Werke, „die zum Teil bei ihnen zu Hause hängen, die zu ihrem täglichen Lebensumfeld gehören“.

Zwischen Avantgarde und eigenem Weg

Adolf Erbslöh war Mitbegründer und später Vorsitzender der Neuen Künstlervereinigung München und stand im engen Austausch mit Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Franz Marc, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin. Aus diesem Umfeld entwickelte sich später auch der Blaue Reiter.

Erbslöh entschied sich jedoch bewusst für einen eigenen künstlerischen Weg. Über seine künstlerische Entwicklung sagte Jessica Keilholz-Busch: „Er war kein Künstler, der die Welt in die Abstraktion führen wollte. Er suchte die Form in der sichtbaren Natur – nicht jenseits von ihr.“

Prägend war dabei seine Begegnung mit dem Werk von Paul Cézanne, das 1910 in München gezeigt wurde. Wie Keilholz-Busch erläuterte, fand Erbslöh dort kein Stilvorbild, sondern „ein Denkmodell“: die Idee eines Bildes als eigenständige Ordnung aus Farbe, Fläche und Volumen.

1929 formulierte Erbslöh sein künstlerisches Credo im Essay Phantasie und Form: „Das Kunstwerk ist Gestaltung, formgewordene Phantasie.“

Oberbayern als Inspiration

Auch Oberbayern prägte sein Werk. Wiederholte Aufenthalte in Kochel und in der Region flossen in seine Landschaftsmalerei ein. „Die Berge, die Wälder, das Licht dieser Gegend – sie sind in vielen der Bilder, die Sie in dieser Ausstellung sehen, unmittelbar präsent“, sagte die Museumsleiterin.
Damit wird auch deutlich, warum das Franz Marc Museum ein besonders passender Ort für diese Ausstellung ist.

Krieg und Brüche

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt in Erbslöhs Leben. Später wurden mehrere seiner Werke von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und aus öffentlichen Sammlungen entfernt.

1947 starb Adolf Erbslöh in München.


Persönliche Erinnerungen der Familie

Im Anschluss an ihre Einführung leitete Jessica Keilholz-Busch eine Gesprächsrunde mit Angehörigen des Künstlers. Vier Enkelinnen und Enkel schilderten dabei ihre Erinnerungen an Adolf Erbslöh und gaben dem Publikum einen persönlichen Einblick in das Familienleben.

Eine Enkelin sagte mit Blick auf ein Selbstporträt in der Ausstellung: „Man vermutet diesem Bild nicht einen Menschen, der sehr viel Humor hatte.“

Ein weiteres Familienmitglied erinnerte sich: „Er hatte Sinn für Unsinn und Albernheiten auch.“

So rückte neben dem Werk auch der Mensch Adolf Erbslöh in den Mittelpunkt.


Ausstellung bis 26. Juli

Die Ausstellung „Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne“ ist bis 26. Juli 2026 im Franz Marc Museum in Kochel am See zu sehen.

 

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