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Geltinger Kulturtage PiPaPo

Scharfzüngiger Sirenenchor

Von Peter Herrmann

Gelting, 1.12.2015 – Es war ein gewagtes Experiment, das grandios aufging. Nur viermal probten 21 Frauen, von denen die meisten nur wenig Gesangserfahrung mitbrachten, ihren Auftritt in der Kulturbühne Hinterhalt. Doch die Bedenken erwiesen sich letztlich als unbegründet: Mit frechen Liedern und schrägen Kostümen degradierte das Ensemble die vier ebenfalls beteiligten Männer zu Statisten. Dass die Texte nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig ließen, gefiel dem Publikum am Sonntagvormittag im voll besetzen Hinterhalt besonders gut.

Sonntagsfrühstück mit Sirenen

Am letzten Tag des PiPaPo-Festivals füllte sich die Kulturbühne Hinterhalt schon um 10 Uhr vormittags. Die Einladung zum Sonntagsfrühstück mit Sirenenchor nahmen vor allem Freunde und Angehörige der 21 Hauptprotagonistinnen, aber auch einige Neugierige wahr. Und gleich der erste Schlager „Das bisschen Haushalt“ – das Original wurde 1977 von Johanna von Koczian aufgenommen – machte deutlich, dass sich die Männer im Publikum in der folgenden Stunde auf einiges gefasst machen müssen.

Die ironische Abrechnung mit dem vermeintlich starken Geschlecht setzte sich in den frechen Liedern „Danke für die Blumen von der Tanke“ und „Billige Reize“ fort. Wer die schrillen Verkleidungen der Frauen sah, wusste sofort was gemeint war: So trug Hinterhalt-Wirtin Assunta Tammelleo Pelzstiefel und einen Strohhut, Fenny Rosemann machte im koketten Zimmermädchen-Outfit sauber, und Daniela Satzinger von der Wolfratshauser Schule der Phantasie zog dem Anlass entsprechend ein schwarzes Kleid und lange rote Handschuhe an.

Doch auch Männer durften mitunter über die Bühne hüpfen – allerdings kamen sie kaum über schablonenhafte Komparsenrollen hinaus: Hermann Paetzmann – unter anderem bekannt aus Auftritten der Loisachtaler Bauernbühne – gab den liebeshungrigen kahlköpfigen Greis. Am Ende durfte er dann zusammen mit Jörg Schwenger, Nikolaus Sanktjohanser und Florian Grieblinger in sexistischen Männermagazinen blättern. Nur zu verständlich also, dass die Herren der Schöpfung frei nach dem Ärzte-Song „Männer sind Schweine“ fortwährend verunglimpft wurden.

Männermörderinnen

Doch es sollte noch schlimmer kommen: In der vom Publikum vehement geforderten Zugabe sangen die Damen, wie sie ihre Liebhaber, Freunde oder Gatten wahlweise mit Rattengift, Kopfschüssen oder Messerstichen ermorden. Da mutete die vorher ausgesprochene Frage „Soll er sich den Sack rasieren?“ sogar noch harmlos an. Regina Hellmann, die die Songauswahl gemeinsam mit Assunta Tammelleo zusammengestellt hatte, entschuldigte sich denn auch für so manch schlüpfrigen Text: „Wenn ich gewusst hätte, dass heute so viele Kinder im Publikum sind, hätten wir vielleicht den einen oder anderen Song weggelassen“, räumte sie ein. Andererseits war es gerade diese erfrischende Kompromisslosigkeit, die die Zuhörer begeisterte. Dass der Sirenenchor vor der Aufführung nur viermal proben konnte und daher einige Töne nicht hundertprozentig genau getroffen wurden, minderte das Vergnügen nicht im Geringsten.

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