Kunstmeile Wolfratshausen 2013
„Gelungene Symbiose von Kunst und Kommerz“
von Barbara Semelka
Wolfratshausen, 15.9.2013 – Die vierte Wolfratshauser Kunstmeile schlägt alle Rekorde: 77 Maler, Fotografen, Bildhauer und Installationskünstler stellen in 61 Geschäften, Banken, Apotheken sowie leer stehenden Läden in der gesamten Innenstadt sowie am Loisachufer und bei Möbel Mahler bis zum 28. September ihre neuesten Arbeiten aus.
Namhafte Künstler wie die Bildhauer Gabriela von Habsburg und Hans Kastler oder Maler wie Hans Langner (Birdman), Philippe Weber oder Iring de Brauw sind genauso vertreten wie zahlreiche ambitionierte Freizeitkreative. Auch an die Mitwirkung von Kindern haben die Initiatoren, der Verein Lebendige Altstadt (LAW), dieser bunten und abwechslungsreichen Freiluftschau gedacht. Die Schule der Phantasie bekam ein Schaufenster bei Spielwaren Tausend für ihre lustigen Kobolde, und bei der gut besuchten Vernissage in der Loisachhalle am Samstag, 14. September, durften Schüler ihre Fahrrad-Skulpturen vorstellen. LAW-Vorsitzender Hans-Werner Kuhlmann bei der Eröffnung: „Die Kunstmeile ist eine gelungene Symbiose von Kunst und Kommerz.“ Damit hat er durchaus Recht. Denn anders als bei den Kunstmeilen zuvor, haben die Geschäftsleute weitgehend auf Dekoration verzichtet und den künstlerischen Arbeiten oftmals ein komplettes oder sogar mehrere Schaufenster überlassen. So beispielsweise Boodevaar.
Die Künstler aus der Wolfratshauser Freundschaftsstadt Manzano sind bei poco loco zu sehen
In einem großen, bodentiefen Schaufenster bei poco loco konnten sich zum ersten Mal Künstler aus der Wolfratshauser Freundschaftsstadt Manzano präsentieren. Die Kleinstadt im Friaul ist bekannt für ihre Holzmöbel – weit über die Stadtgrenzen hinaus. Der Bildhauer Livio Fantini hat Maschinen für die Möbelherstellung konzipiert. Doch er nimmt sich auch Zeit für seine künstlerischen Ambitionen mit beeindruckenden geerdeten aber leicht und heiter geschwungenen Holzskulpturen, die er aus einem Block per Hand herausarbeitet. Die Malerin Katia Gori hat sich offenbar in rasante Motorräder verliebt, die sie künstlerisch und fast skulptural verdichtet aber farblich zurückhaltend darstellt. Renato Paoluzzi räumt ein Vorurteil aus, dass manche Italiener noch heute Zugvögel fangen und verspeisen. Auf seinen luftigen Aquarellen dürfen Vögel auf fantasievollen Vogelscheuchen Nester bauen oder sich keck auf einem zerknitterten Zylinder niederlassen.
Viele Meilenbummler bleiben stehen, rätseln und lächeln
Der Bildhauer Ernst Grünwald, der Maler Fritz Wagner und der Multikünstler Hans Langner, bekannt geworden als Birdman, haben mit ihren Werken das ehemaligen Bistro D’Amato in der Loisachpassage genauso in eine Galerie verwandelt, wie die Maler Rita Neu und Wolfram Weiße aus Geretsried das jetzt leerstehende Bastelgeschäft Ideenreich in der Johannisgasse. Beim Bekleidungsgeschäft Boodevaar gibt es in einem großen Schaufenster eine Installation ganz in Weiß vor dunklem Grund von Gina Feder zu sehen: Tisch, Kaffeetasse, Eierbecher, Stuhl, ein Paar Schuhe, Brille, Buch und ein Hut, der in der Luft schwebt. An der Wand hängt ein Hirschgeweih. Viele Meilenbummler bleiben stehen, rätseln und lächeln. Im selben Laden durfte sich auch die Malerin Petra K. Vogel frei entfalten und ihre impressionistischen Bilder von Wasser, Himmel und Licht ohne störende Dekoration wirkungsvoll in Szene setzen. Der international bekannte südfranzösische Maler Philippe Weber bekennt sich zu Wolfratshausen und stellt in Ritas Teeladen und bei Beni & Leo im Obermarkt in kräftigen Farben und beherztem Duktus Motive dar wie die evangelische Kirche an der Bahnhofstraße und – möglicherweise ungewollt – etwas, das Wolfratshausen seit Jahren beschäftigt: die S-Bahn und der Kampf der Stadt gegen die Schranke im Rahmen der geplanten Verlängerung nach Geretsried. Doch Weber wirft einen fröhlichen Blick auf die S-Bahn und hat eine lebendige Szene von wartenden Menschen auf die einfahrende, knallrote Zuggarnitur eingefangen.
„Die Kunstmeile wird immer bedeutender, weit über Wolfratshausen hinaus, und sie ist schon jetzt zu einer Institution geworden“
Bei der Eröffnung der Kunstmeile in der gut besuchten Loisachhalle konnte Helmut Forster, Bürgermeister und Schirmherr der Schau, die Landtagsabgeordneten Florian Streibl (Freie Wähler) und Martin Bachhuber (CSU), aber auch Bürgermeister wie Cornelia Irmer aus Geretsried und Michael Grasl aus Münsing begrüßen. Denn viele der ausstellenden Künstler wohnen und arbeiten in diesen Kommunen. „Die Kunstmeile wird immer bedeutender, weit über Wolfratshausen hinaus, und sie ist schon jetzt zu einer Institution geworden“, sagte Forster und bedankte sich mit warmen Worten bei dem Organisationsteam der LAW. Und das sind Sandra Eder, Hans-Werner Kuhlmann, John Schille und Arnold Sedlmayr. Forster wünschte den Künstlern gute Geschäfte. Viel Lob und sogar „Hochachtung“ zollte Landrat Josef Niedermaier dem Verein. Die Kunstmeile beweise, dass es gar nicht stimme, dass in Wolfratshausen „gar nichts los sei“. Er halte die Freiluftpräsentation für eine gelungene Sache.
Gewünscht ist eine lebhafte Diskussion um die ausgestellten Arbeiten
LAW-Vorsitzender Kuhlmann schilderte, dass die Meile auf drei Säulen beruhe: Politik, Finanzwesen und ehrenamtlichen Einsatz. Die Politik habe die Wege geebnet und bei bürokratischen Hürden geholfen und die Sponsoren hätten dazu beigetragen, dass sich der finanzielle Aufwand nicht allzu sehr aufhäuft. Beteiligt hätten sich die Stadt, der Bezirk Oberbayern, das Sicherheitsunternehmen WSD Oberland, die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, die Allianz, das Bekleidungsgeschäft Boodevaar, die Raiffeisenbank und die VR Bank, Möbel Mahler, das Energieunternehmen ESB, der Werbekreis, der Kulturverein Isar-Loisach und die LAW selbst. Und wie Arnold Sedlmayr vom Organisations-Team am Rande der Veranstaltung sagte, soll auch der Ausstellungskatalog mit einer Auflage von 800 Stück zum Preis von fünf Euro den Aufwand in Grenzen halten. Kunst und Kultur sei ein wichtiger Image-Faktor für Wolfratshausen, betonte Kuhlmann weiter und er wünsche sich eine lebhafte Diskussion um die ausgestellten Arbeiten. Zudem wies er darauf hin, dass ein Teil der Verkaufserlöse von Arbeiten, die bei Möbel Mahler ausgestellt werden, der neuen Sternwarte auf dem Gelände der Jugendsiedlung Hochland bei Königsdorf gespendet werde.
Rote Punkte vor den Geschäften zeigen an, dass es hier was zu sehen gibt
Stadtrat und Kulturreferent Ludwig (Wiggerl) Gollwitzer stellte auf der Eröffnung, die von der Band „Punkt vier“ aus Wolfratshausen musikalisch begleitet wurde, die Fahrradskulpturen von vier Schulen vor. Kinder und Jugendliche der Schule der Phantasie, der Waldramer und der Hammerschmied-Schule sowie der Realschule haben in Gemeinschaftsarbeit schlichte Fahrräder mit viel Witz, Mut und Fantasie wundersam verwandelt und erhielten dafür viel Beifall.
Wer sich auf den Kunstbummel in der Innenstadt begibt, sollte nicht versäumen, auch im unteren Untermarkt, in der Bahnhofstraße und der Sauerlacher Straße entlang zu spazieren. Auch dort warten künstlerische Überraschungen. Rote Punkte vor den Geschäften zeigen an, dass es hier was zu sehen gibt.











Fotos: Fenny Rosemann






