Wolfratshausen 2026: Lichterzauber auf der Loisach bei der Johanni-Floßprozession
Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Wolfratshausen, 20. Mai 2026 – Tausende Besucher verfolgten am Sonntag die stimmungsvolle Johanni-Floßprozession auf der Loisach. Festlich geschmückte Flöße, Fackeln, Gebete und eine Segensandacht machten das traditionsreiche Johannifest erneut zu einem eindrucksvollen Ereignis in der Altstadt.
Die Johanni-Floßprozession, die nach Corona- und Hochwasserabsagen erstmals seit 2017 wieder stattfand, lockte zahlreiche Besucher an die Brücken und Uferseiten der Loisach. Viele verfolgten das eindrucksvolle Schauspiel bis spät in den Abend hinein.
Gottesdienst zum Gedenken an den Märtyrer
Bei hellem Tageslicht versammelten sich am frühen Abend viele Gläubige am Marienplatz vor der Kirche St. Andreas, um im Rahmen eines Gottesdienstes dem heiligen Johannes Nepomuk zu gedenken. Der katholische Stadtpfarrer Gerhard Beham nannte das bewegte Leben des im 14. Jahrhundert lebenden böhmischen Märtyrers ein „Lehrstück der Gottesfurcht“, das aber im Sinne von geradliniger Haltung und Mut verstanden werden müsse.
Der Brückenheilige und Schutzpatron der Schiffer, Flößer und Müller geriet damals mit König Wenzel IV. aneinander, weil er zu seinem Glauben stand und unter anderem das Beichtgeheimnis wahren wollte. Nach seiner Verhaftung und Folterung wurde Johannes Nepomuk schließlich in der Moldau ertränkt. Sein Denkmal an einer nach ihm benannten Wolfratshauser Loisachbrücke sei laut Beham eine „klare Botschaft an die Menschen, gerecht zu handeln“.
Das anschließende Standkonzert der Musikkapelle Beuerberg, die vom Geltinger Spielmannszug unterstützt wurde, verkürzte die Wartezeit bis zum Einbruch der Dunkelheit. In der Nähe des Poign warteten derweil die beiden Flöße von Sepp Seitner und seinem Vetter Franz auf den Zustieg der prominenten Passagiere – unter ihnen auch der neugewählte Landrat Ludwig Schmid sowie Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Stadträte, Flößerfamilien und weitere Ehrengäste. Plätze waren zudem für die Musiker der Wolfratshauser Stadtkapelle reserviert.
Böllerschüsse und Gebete
Der weitere Ablauf richtete sich streng nach den historischen Vorgaben der bis 1910 regelmäßig in Wolfratshausen durchgeführten Johanni-Floßprozession, die 1994 wieder eingeführt wurde. So zogen auch diesmal die mit Fahnen und Fackeln ausgestatteten Wolfratshauser Vereine gemeinsam mit den Pfarrern und Ministranten vom Marienplatz in einem Festzug zur alten Floßlände.
Anders als vor neun Jahren war dieser Weg in großem Umfang mit Barrieren, Sicherheitsfahrzeugen und einer höheren Zahl an Ordnungskräften abgesichert. Polizei sowie Einsatzkräfte der Wolfratshauser Feuerwehr, der BRK-Bereitschaft und der DLRG erfüllten ihre Aufgaben zu Wasser und Land zuverlässig.
Kulturmanager Andreas Kutter warnte die stetig wachsende Menge der wartenden Zuschauer sicherheitshalber vor der Lautstärke der von Feuerschützen und der Gebirgsschützenkompanie abgegebenen Böllerschüsse.
Die Flöße erreichten die Floßlände, wo anschließend die Segensandacht begann. Auf einer Bühne betonten Gerhard Beham und die evangelische Pfarrerin Sabine Sommer die Bedeutung des Elementes Wasser, dessen fließende Bewegung als Symbol des Glaubens gesehen werden könne.
Nach Gebeten, Gesängen und weiteren Böllerschüssen der Gebirgsschützenkompanie setzten Kinder gemeinsam mit Hilfskräften der DLRG ihre gebastelten Lichterflöße auf die Loisach. Eine Lasershow erleuchtete schließlich spätabends den Himmel über der Altstad.








