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Erinnerungsort Badehaus - Wolfratshausen-Waldram

Musikalisches Gedenken an den Todesmarsch

Von Peter Herrmann

Waldram, 16.4.2020 – Der Erinnerungsort Badehaus ist derzeit aufgrund der Corona-Krise für die Öffentlichkeit geschlossen. Der ursprünglich für den 2. Mai vorgesehene Festakt zum Gedenken an den Todesmarsch, der sich 2020 zum 75. Mal jährt, musste aus gegebenem Anlass abgesagt werden. Deshalb haben sich die Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald und der Historische Verein Wolfratshausen Alternativen einfallen lassen: Sie stellen am 27. April einen Kurzfilm mit einer Klaviersonate und erklärenden Texten ins Internet. Zudem wird das Todesmarsch-Mahnmal-Modell im Schaufenster des Badehauses ausgestellt.

Komponist Karl Amadeus Hartmann wurde Zeitzeuge

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwangen Nationalsozialisten Tausende KZ-Häftlinge aus Dachau und seinen Außenlagern auf verschiedenen Routen zu einem Evakuierungsmarsch in Richtung Süden. Eine Gruppe von Gefangenen marschierte damals nachts am Haus des in Kempfenhausen am Starnberger See lebenden Musikers Karl Amadeus Hartmann vorbei. Ein Ereignis, das ihn zur Komposition der aufwühlenden Klaviersonate „27. April 1942“ inspirierte.

„Das ist Musik, die einem an die Nieren geht“, räumt Dr. Lucie Wohlgenannt ein. Die Waldramer Musikpädagogin begleitete im Erinnerungsort Badehaus am Klavier, um einige Passagen des Stücks anzuspielen und zu kommentieren. Die Szenerie verfilmte Regisseurin Dr. Sybille Krafft gemeinsam mit dem Ickinger Kameramann Rüdiger Lorenz und dessen Frau Faranak für einen Kurzfilm, der ab 27. April auf den Websites des Historischen Vereins und der Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald zu sehen sein wird. „Diese Erinnerung soll in der gebotenen räumlich distanzierten Form erfolgen, um die Gesundheit aller Beteiligten nicht zu gefährden“, erklärte Krafft bei einem Pressegespräch. Denn die Corona-Krise machte den ursprünglichen Plan der Vorsitzenden des Badehausvereins und des Historischen Vereins Wolfratshausen zunichte.

Vorgesehen war, am 2. Mai 2020 mit einem Gedenkzug und einem mehrstündigen Festakt im Badehaus an den Todesmarsch zu erinnern. Daran sollte auch der Zeitzeuge Jack Adler aus den USA teilnehmen. Die Filmcrew verwendete Atemmasken und achtete auf die gebotenen Sicherheitsabstände. Um besser verstanden zu werden, verzichtete die Pianistin auf den Mundschutz und zitierte die Eindrücke des Komponisten Hartmann. „Unendlich war der Strom, unendlich war das Elend, unendlich war das Leid“, sagte Wohlgenannt nach einer Passage. Später, beim Pressegespräch auf dem Kolpingplatz verrät die 44-Jährige, dass sie erst vor drei Jahren nach Waldram gezogen ist. Sie hatte Dr. Sybille Krafft zufällig in München getroffen und diese hatte ihr gleich einen Besuch des Erinnerungsortes Badehaus vorgeschlagen. Wohlgenannt zeigte sich auch nach der Filmaufnahme beeindruckt vom besonderen Ambiente. „Man spürt, dass von diesem Ort Geschichte und Atmosphäre ausgeht“, stellte sie fest. Um nicht nur im Internet an den Todesmarsch zu erinnern, stellt der Badehaus-Verein am 27. April 2020 ein Modell der von Professor Hubertus von Pilgrim entworfenen Mahnmal-Skulpturenreihe ins Schaufenster des Badehauses. Zudem können Interessierte von außen Texte zur Geschichte des Todesmarsches lesen.  

Infos unter: www.erinnerungsort-badehaus.de

Foto: Peter Herrmann


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