Zar und Zimmermann in der Loisachhalle Wolfratshausen
Vergnüglicher Opernabend in der Loisachhalle
Von Thekla Kraußeneck
Wolfratshausen, 29.3.2014 - Am Freitagabend konnten die Oberländer den fulminanten Auftritt des Freien Landestheaters Bayern in der Loisachhalle in Wolfratshausen genießen. Stimmgewaltige Sänger, ein kongeniales Orchester mit Chor und Solistenensemble, ein originelles Bühnenbild, authentische Kostüme, eine raffinierte Geschichte und ein begeistertes Publikum sind das Resultat einer lohnenden Veranstaltung, die mit zweieinhalb Stunden Spielzeit den Abend füllte.
Das Bayerische Landestheater verfügt mit seinen zahlreichen Stücken von „My Fair Lady“ über „Die Zauberflöte“ bis hin zu „Die Fledermaus“ bereits über ein reiches Repertoire an bekannten, anspruchsvollen Stücken. „Zar und Zimmermann“ ist das jüngste Stück im Programm: Erst am 15. März dieses Jahres feierte es seine Uraufführung in Miesbach, wo das Theater seinen Sitz hat. Der Dreiakter „Zar und Zimmermann“ aus dem Jahr 1837 fügt sich gut in den bisherigen Spielplan ein: Es ist ein durch und durch unterhaltsames Werk, was nicht verwundert, denn es stammt ganz aus der Feder von Albert Lortzing, einem Meister der komischen Oper, der für „Zar und Zimmermann“ die Rolle des Komponisten und des Librettisten in sich vereinte und bei der Uraufführung im Jahr 1837 in Leipzig sogar eine Hauptrolle übernahm.
Verwicklungen, Missverständnisse und aberwitzig überzeichnete Figuren
Die Handlung mit all ihren ironischen Verwicklungen, Missverständnissen und aberwitzig überzeichneten Figuren, beanspruchen pausenlos die Lachmuskeln des Publikums. Der russische Zar Peter I. hat sich als Peter Michaelow an der holländischen Küste Saardam in eine Schiffswerft eingeschmuggelt, um dort das Handwerk des Schiffsbaus höchstpersönlich zu erlernen; er will Erkenntnisse für den Bau einer russischen Seeflotte gewinnen und nebenbei gleich ein paar talentierte Handwerker abwerben. Als sich herausstellt, dass seine Schwester in Russland mit Hilfe der Bojaren versucht, die Macht an sich zu reißen, beschließt der Zar, bald zurückzukehren. Doch so einfach wird das nicht: Denn der französische Gesandte Marquis de Chateauneuf und sein britisches Pendant, der Gesandte Lord Syndham, versuchen den Zaren in Saardam aufzuspüren, um ihm einen Bündnisvertrag anzubieten. Lord Syndham setzt dabei auf seinen dicken Geldbeutel und die Hilfe des Bürgermeisters, der nach einigen dürftigen Recherchen fälschlicherweise annimmt, der Zimmermannsgeselle Peter Iwanow – der ein Auge auf die Tochter des Bürgermeisters geworfen hat – sei der Zar. Als ein Offizier dann auch noch den Hafen sperren lässt, so dass Peter I. nicht abreisen kann, ist das Chaos perfekt.
„Kausakus knusus“
Doch was ist ein gutes Drehbuch ohne die talentierten Darsteller, die ihm Leben einhauchen? Zweifellos ein Glanzlicht des Abends ist Matthias Degen als Bürgermeister van Bett, der mit Rouge bepudertem Gesichts und graumelierter Perücke gekrönt das Lied „Oh Sancta Justitia!“ in einen Spiegel hineinsingt: „Oh, ich bin klug und weise und mich betrügt man nicht.“ Immer wieder scheitert er bei dem Versuch, sich durch die Verwendung lateinischer Redewendungen intelligenter dastehen zu lassen, als er ist, und jeder Versuch ist eine zielsichere Attacke auf das Zwerchfell: Der springende Punkt „Kasus knaxus“ wird durch ihn zu „Kausakus knusus“ und als ihn ein Brief erreicht, in dem ein gewisser Peter gesucht wird, kommentiert der Bürgermeister dies mit den Worten: „Ich denke, in diese Sache ist eine wichtige Person verwickelt. Vielleicht sogar ein Destillateur!“ Nun lässt er die Besitzerin der Schiffswerft, die Witwe Browe, ihre Angestellten versammeln, mit den Worten: „Dann schafft sie her! Tuttifrutti!“
Überzeugende Darsteller
Eberhard F. Lorenz überzeugt auf ganzer Linie als Peter Iwanow, der dank seiner munteren Art selbst als eifersüchtiger Liebhaber der Bürgermeisterstochter einfach sympathisch herüberkommt. Jene Bürgermeisterstochter Marie wird von Diana-Marina Fischer lebenslustig dargestellt und Andreas Fimm geht in seiner Rolle als Zar Peter I auf: Er bewegt sich mit solch würdevoller Ausstrahlung über die Bühne, als wäre er mit seiner Rolle als höchster russischer Herrscher verschmolzen. Großartig mithalten können damit Philip Gaiser als Lefort, Berater des Zars; Elisabeth Neuhäusler als Witwe Browe, der die Schiffswerft gehört; Marcus Weishaar als Lord Syndham; und, besonders köstlich, Victor Schiering als der herrlich schmeichelnde französische Gesandte Marquis de Chateauneuf. Fazit: Mehr davon!





