Geltinger Kulturtage PiPaPo – Pinsel, Pauke, Poesie
Das „Pi“ steht für den „Pinsel“ auf den Geltinger Kulturtagen PiPaPo. Nur in dieser Zeit, einmal im Jahr, verwandelt sich der Hinterhalt II zu einem gemütlichen Atelier-Café mit Kunstausstellung. Erstmals treffen heuer der bekannte Cartoonist Erik Liebermann mit seinem berühmten Protagonist „ Anton Glubsch“ auf Meerschweinchen, „Vogelwurm“ und „Weissels wilde Warenwelt“ des Boogie-Pianisten und Zeichners Tommy Weiss. Die Ausstellung eröffnet am Freitag, den 21. November um 19 Uhr die Hollerhaus Galeristin Lia Schneider-Stöckl mit einer Laudatio.
Erik Liebermanns Sprache sind die Bilder. Die Ideen für seine Cartoons gehen ihm nicht aus. „Jeder Situation kann man einen Witz abgewinnen“, findet er, und sei es die trockenste Wirtschaftsgeschichte. Oft sind die Aussagen klar erkennbar, oftmals lässt er dem Betrachter die Freiheit für eigene Interpretation. Sein Protagonist heißt Anton Glubsch. Er öffnet mit seinen großen Augen die Augen der anderen und richtet den Blick aufs Wesentliche. Anton guckt wie sich die Menschen verhalten und benehmen, etwa im Wartezimmer, an der Bushaltestelle, im Alltag, und findet in den banalsten Situationen die herrlichste Komik.
Liebermann studierte von 1965 bis 1969 Industriedesign in Ulm. Ein glücklicher Zufall ermöglichte ihm als Student Cartoons an die Südwest Presse zu verkaufen. „Da merkte ich, ich brauche ein festes Männchen, denn jeder Karikaturist hat seine Figur.“ Anton Glubsch entstand. Mit der Zeit kamen Frau, Kinder und Tiere hinzu. „Ohne die kommt auch der Anton nicht aus“, sagt der Zeichner. Bis heute sind rund 10.000 Cartoons entstanden.
So diszipliniert wie andere im Büro sitzen, entwirft der Karikaturist täglich mindestens einen Cartoon. Zu seinen Auftraggebern zählen renommierte Unternehmen wie Daimler, der Pharmakonzern Boehringer, Bosch und die HypoVereinsbank. Der künstlerische Durchbruch gelang ihm mit riesigen Sport-Cartoons für die Olympischen Spiele 1972 in München. Seine Karikaturen kennt man aus großen Tageszeitungen und Fachmagazinen, wie der ADAC-Motorwelt und zwanzig Jahre brachte Anton mit den großen Augen die Leser der Süddeutschen Zeitung zum Lachen.
Der gebürtige Münchner, der heute in Steingaden lebt, ist respektvoll und trotzdem witzig. Mit seinen Protagonisten auf Papier kann man sich identifizieren. Das Spielfeld in dem der Zeichner sich austoben kann ist groß. Es heißt das Leben.
Der Pianist und Zeichner Tommy Weiss aus Raisting entdeckte bereits früh seine Leidenschaft für Musik und bildende Kunst. 1984 begann seine musikalische Karriere in der Münchner Kleinkunstszene. Er spielte in Clubs wie dem „MUH“, der „Liederbühne Robinson“ oder im legendären Blues Club „Grünes Eck“. 1985 lernte er den Münchner Bluespianisten Christian Willisohn kennen. Es folgten zahlreiche Duoauftritte an zwei Flügeln und später Auftritte auf großen Festivals, wie der Münchner Blues Gala, dem Blue Note Pianofestival oder dem New Orleans Festival Ascona. Weiss spielte mit Pianisten wie Tete Montoliu, Aki Takase, Martial Solal, Dick Hyman auf einer Bühne.
Neben der Musik blieb Tommy Weiss aber auch immer seiner grafischen Begabung treu. Der Grafikdesigner zeichnet Cartoons, Illustrationen für Fachbücher und veröffentlicht seine Bilder in satirischen Cartoon-Büchern. Unter dem Titel „Weissels Wilde Warenwelt“ entstand eine bunte Revue mit verrückten Erfindungen im Stile schriller Werbeanzeigen. Vergleichsweise minimalistisch und ohne Worte kam Tommy Weiss in seine Cartoonserie „VogelWurm“ aus. Diese Zeichnungen entstanden ursprünglich auf unerlaubter Weise bereits schon während des Schulunterrichts. Auch bei ihm dreht es sich um Selbsterlebtes aus dem Leben. Im Zeitalter des Computers entwickelte Tommy Weiss dann eine eigene Technik, in der er illustrative Zeichnungen sowie konstruierte CAD-Elemente in Fotomaterial einbettet. So entstand 2008 die Bilderserie mit fotorealistischen Illustrationen von Meerschweinchen in absurd-witzigen Situationen, die er „Meerigrafien“ nennt.