Kunstausstellung Amtsgericht Wolfratshausen
Kunstausstellung Amtsgericht Wolfratshausen
Mehr als Schwarz und Weiß – Kunst zwischen Material und Wahrnehmung
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 20.3.2026 - Kohle ist schwarz. Asche hingegen eröffnet ein ganzes Spektrum an Farbnuancen. Die Münchner Künstlerin Mücke Gautzsch macht genau diese Zwischentöne sichtbar und entwickelt aus dem verbrannten Material eine eigenständige Bildsprache. Ihre Arbeiten, die in den kommenden Monaten im Obergeschoss des Wolfratshauser Amtsgerichts präsentiert werden, stehen exemplarisch für einen materialgetriebenen, experimentellen Ansatz moderner Kunst.
Es ist eine Wissenschaft für sich, wie aus Holz zuerst Kohle und dann zur Asche wird und dabei unterschiedliche Farbnuancen entstehen. Mücke Gautzsch experimentiert in ihrer Kunst seit gut fünf Jahren mit verschiedenen Materialien, wie beispielsweise Rost. „Doch die Asche war wie ein Date, bei dem ich dachte, die muss ich heiraten.“ Je nach Holzart, ob geschält oder mit Rinde, je nach verschiedenen Brenntemperaturen und Sauerstoffzufuhren verändert sich die Farbe der Asche. „Meine Kunst ist eine Hommage an die Komplexität der Dinge“, erklärt Gautzsch. Denn wichtig ist für die Künstlerin, der inzwischen permanenten Schwarz-Weiß-Sicht in den Medien entgegen zu wirken. Mücke Gautzsch – Mücke ist ihr Künstlername – wurde in Ostfriesland geboren und lebt seit über 30 Jahren in München. Die 63-jährige Künstlerin arbeitete 30 Jahre bei Radio Charivari im Marketing und Verkauf. Sie kennt die Medienbranche. Zum Ausgleich malte sie.
„Ich sehe Stimmen“
Seit Corona lebt sie als freischaffende Künstlerin. Durch die Asche bekommen ihre abstrakten Bilder eine haptische Oberfläche und eine sichtbare Tiefe. Es sind erdige Farbtöne von grau, silbrig bis rötlich. Mit Farbpigmenten setzt sie gelegentlich sparsame Farbkontraste dazu. Sie arbeitet in Serien. So heißt ein Titel „Ich sehe Stimmen“ aus der Reihe der Tonspuren-Bilder. Um dieses staubige Material auf die Leinwand zu bringen, hat sie eine spezielle Technik entwickelt. Sie mischt die Asche nicht in einem Gefäß, wie gewöhnlich, sondern trägt sie direkt auf eine befeuchtete Leinwand auf und malt mit einer Art Kuchenspachtel. Inzwischen hat Kunstinitiator Dietmar Galuschka ein großes Netzwerk aufgebaut. Aus München und über die Region Wolfratshausens hinaus melden sich Künstler, um im Wolfratshauser Amtsgericht ausstellen zu dürfen. Es ist eine kostenlose Möglichkeit für Künstler ihre Arbeiten öffentlich zu präsentieren und so aus ihrem eigenen Gau einmal herauszukommen
Die Ausstellung „Asche und Zwischentöne“ ist noch bis Ende Mai im Wolfratshauser Amtsgericht zu sehen.
Fotos: Andrea Weber





